9. August 2007

Mit-Patronin Europas: Edith Stein

Am 9. August gedenkt die katholische Kirche der Heiligen und Märtyrerin Edith Stein. Papst Johannes Paul II. hat sie bei seinem Deutschlandbesuch in Köln am 1. Mai 1987 selig und am 11. Oktober 1998 in Rom heilig gesprochen. Sie ist die erste katholische Märtyrerin jüdischer Abstammung, der diese Ehre zuteil geworden ist. Zusammen mit der heiligen Birgitta von Schweden und der heiligen Katharina von Siena erklärte Papst Johannes Paul II. im Jahr 1999 Edith Stein zur Europapatronin.

Der Heilige Vater wollte mit der Ernennung zur Europapatronin Edith Steins auch auf die christlich-jüdischen Wurzeln unseres Kontinentes hinweisen, vom dem der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss sagte, Europa sei auf drei Hügeln gebaut: Golgotha stehe für Frieden, die Akropolis für Demokratie und das Kapitol in Rom für die Rechtsstaatlichkeit. Leider hat die Europäische Union es nicht durchgesetzt, dass ein Hinweis auf diese christlich-jüdischen Wurzeln in den Entwurf einer Europäischen Verfassung aufgenommen wurde.

Edith Stein wurde 1891 im niederschlesischen Breslau als jüngstes von elf Kindern geboren und in jüdischer Tradition erzogen. Als 14-Jährige erklärte sie sich als Atheistin. Nach dem Abitur in Breslau studierte sie in Breslau und Göttingen und wurde nach ihrer Promotion Assistentin des Philosophen und Phänomenologen Edmund Husserl. Weil sie eine Frau war, wurde ihr die Habilitation in Breslau, Freiburg und Göttingen verwehrt.

In dieser Zeit nach dem Ersten Weltkrieg fand Edith Stein durch die Schriften der heiligen Theresia von Ávila zum Gottesglauben zurück und ließ sich 1922 in der Pfarrkirche St. Martin in Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) katholisch taufen, was die gläubige jüdische Mutter sehr schmerzte. Bis 1933 arbeitete Edith Stein als Lehrerin in Speyer und als Dozentin in Münster, ehe sie in Köln in den Karmel eintrat und den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce erhielt. Nach dem Tod der Mutter folgte ihr auch ihre Schwester Rosa in den Karmel. In der Neujahrsnacht 1938/39 floh Edith Stein wegen der Nationalsozialisten in den niederländischen Karmel Echt in der Provinz Limburg, wohin ihr Rosa ein Jahr später folgte.

Aufgrund eines Hirtenbriefes wurden im Jahr 1942 auch alle getauften Juden verhaftet. Die Gestapo nahm Edith Stein und ihre Schwester am 2. August 1932 in Haft und lieferte sie mit anderen Gefangenen am 9. August 1942 in Auschwitz-Birkenau ein. Am gleichen Tag noch starb sie als Gefangene Nr. 44074 in der Gaskammer. „Komm, wir gehen für unser Volk“, erklärte Edith ihrer Schwester Rosa beim Abtransport. Im Güterzug nach Auschwitz tröstete sie ihre Mitgefangenen: „Jesus ist auch hier mitten unter uns“.

Die heilige Teresa von Ávila (1515-1582) förderte die Verehrung des Jesuskindes. Aus Spanien gelangte eine Statue mit dem Jesuskind nach Prag. Die spanische Adelige Maria Maximiliana Manriquez de Lara brachte bei ihrer Hochzeit mit dem böhmischen Adeligen Wratislaw von Pernstein das kostbare Familienerbstück in ihre neue böhmische Heimat. Heute können wir fast mit Sicherheit sagen, dass die Statue ein Geschenk der Mystikerin und Kirchenlehrerin Teresa von Ávila war. Die Verehrung des Jesuskindes war bei ihr besonders ausgeprägt und ist bis heute charakteristisch für den Karmeliter-Orden.

Edith Stein war eine große Verehrerin dieses Prager Jesuskindes. Sie betonte noch in ihren letzten Aufzeichnungen kurz vor ihrem Tode in Auschwitz, dass diese Statue nach Prag gekommen sei, als es mit der weltlichen Kaiserherrlichkeit zu Ende ging. Gott ist Mensch geworden und hat Kindesgestalt angenommen. Dies ist für Edith ein unerschöpfliches Geheimnis ihres Glaubens. Gott in Kindesgestalt habe alles in seinen Händen, schrieb Edith Stein: „Er hat ja doch die Zügel in der Hand, wenn auch die Menschen zu regieren meinen.“ Die Entwicklung in Prag und im ganzen Osten Europas hat Edith Stein mittlerweile Recht gegeben.

Von Prof. Dr. Rudolf Grulich, KIRCHE IN NOT

Lesermeinungen

Ein Kommentar zu “Mit-Patronin Europas: Edith Stein”

  1. Laura dbys Identicon
    Laura dbys
    15. Januar 2013 12:49

    Ich finde diesen Artikel vortrefflich gelungen, wenn ich ihn auch nicht vollständig rezipiert habe… Edith Stein fasziniert mich seit langem, und ist meiner Meinung nach eine der beeindruckendsten Figuren des 20.Jahrhunderts…

    LIKE!!!! 🙂

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