20. November 2007

Jesuiten reduzieren ihre Präsenz in Würzburg

Die Deutsche Provinz der Jesuiten wird ihre Präsenz in Würzburg zum Herbst 2008 reduzieren. Dies ist das Ergebnis ordensinterner Beratungen sowie entsprechender Abstimmungen zwischen dem Provinzial, Stefan Dartmann SJ, und der Diözese Würzburg.

Konkret betrifft dies vor allem die langjährige Arbeit der Jesuiten in der Studentenseelsorge und in der Jugendarbeit. So wird der Orden im November 2008 P. Johann Spermann SJ aus Würzburg abziehen, der seit 2001 die Leitung der Katholischen Hochschulgemeinde verantwortet. Bereits im Juli 2008 wird P. Holger Adler SJ neue Aufgaben übernehmen, der seit 2004 in Würzburg als Geistlicher Leiter der J-GCL sowie als Mitarbeiter im „Referat Geistliches Leben“ tätig ist. Für beide Positionen kann die Deutsche Provinz keine Nachfolger aus den Reihen des Ordens benennen. Auch P. Francis D’Sa SJ wird nach dem vertragsgemäßen Ende seiner Tätigkeit an der Universität Würzburg im März 2008 die Stadt verlassen. P. Fritz Schwaiger SJ wird dagegen dem Bistum weiterhin für die Betreuung der Priester zur Verfügung stehen.

P. Provinzial Stefan Dartmann bedauert die Konsequenzen dieser Entscheidung und bittet alle davon Betroffenen um Verständnis, dass die Ordensleitung in dieser Frage keine überzeugende Alternative gesehen habe: „Der derzeitige personelle Engpass in der jüngeren Generation der Jesuiten in Deutschland macht es dem Orden unmöglich, bei gleichzeitiger Wahrnehmung anderer Aufgaben von hoher Priorität eine personell überzeugende Nachbesetzung der Leitung der KHG und der Betreuung der J-GCL in Würzburg zu gewährleisten. Die durch eine Konzentration der Kräfte erzwungene Reduzierung unserer Präsenz gerade auch in den Bereichen, in denen unsere Arbeit in all den Jahren wert geschätzt wurde, ist eine schmerzliche Konsequenz, die ich sehr bedauere.“

Zugleich macht P. Stefan Dartmann deutlich, dass die derzeitige Entscheidung kein endgültiges Nein des Ordens zu einem Engagement in Würzburg bedeutet: „Die in den letzten Jahren gestiegenen Eintrittszahlen in unserem Orden sind ermutigend. So hoffe ich, dass es vielleicht schon in wenigen Jahren möglich sein wird, dass wir uns in Würzburg wieder mit stärkerer Besetzung zurückmelden, gehört doch das Engagement in der Studentenseelsorge und Jugendarbeit seit jeher zu den besonderen apostolischen Feldern unseres Ordens.“

Die Jesuiten blicken in Würzburg auf eine lange Tradition zurück. Fürstbischof Friedrich von Wirsberg berief 1561 die ersten Jesuiten nach Würzburg. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Orden aufgehoben. Nach der Wiederzulassung im 19. Jahrhundert waren die Jesuiten lange Zeit in Aschaffenburg tätig, wo sie bis in die 1960er Jahre ein Studienseminar leiteten. In Würzburg wirkten sie wieder seit Mitte des 20. Jahrhunderts und übernahmen vor allem Aufgaben in der Priesterausbildung und später in der Hochschulseelsorge.

Die Diözese Würzburg bedauert die Reduzierung der Jesuitenpräsenz in Würzburg sehr. Gleichzeitig dankt sie der Ordensgemeinschaft für das jahrzehntelange hervorragende Engagement in der Seelsorge. Sie sieht sich in die Pflicht genommen, die bisherigen Aufgabenfelder der Jesuiten mit eigenem Personal weiterzuführen.

(Pressemitteilung der Deutschen Provinz der Jesuiten)

Lesermeinungen

2 Kommentare zu “Jesuiten reduzieren ihre Präsenz in Würzburg”

  1. Barthel Identicon
    Barthel
    21. November 2007 21:55

    Ich finde es sehr schade, dass die Jesuiten Würzburg verlassen. Gerade die Jugendarbeit und auch die Arbeit mit jungen Erwachsenen braucht dauerhafte Konstanten. Ohne ihnen ist es einfach unmöglich junge Menschen für den Glauben zu begeistern. Gerade die personelle Besetzung ist der wichtigste Faktor, da die einzelnen Personen und nicht eine Institution den Glauben begeisternd vermitteln. Insofern ist es nicht verwunderlich wenn der Provinzial Stefan Dartmann SJ sagt, dass das „Engagement in der Jugendseelsorge und Jugendarbeit seit jeher zu den besonderen apostolischen Feldern unseres (des jesuitischen) Ordens“ gehört. Wieso werden dann aber bei personellen Engpässen genau diese Stellen gestrichen, auch wenn sie in „vielleicht wenigen Jahren“ wieder besetzt werden können?
    Aber einmal davon abgesehen, gräbt sich der Jesuitenorden wenn er `personelle Engpässe in der jüngeren Generation´ hat nicht selbst das Wasser ab, wenn er dann auch noch sein Engagement in der Jugendarbeit kürzt? Wie soll er denn jemals wieder an Nachwuchs kommen, wenn es keinen Nachwuchs im Glauben mehr gibt, da die gesamte Kirche sich immer mehr auf „Aufgaben von hoher Priorität“ konzentriert?
    Man sollte sich sehr genau überlegen welche Aufgaben welche Priorität bekommen sollten.
    Gruß Barthel

  2. Alexander Michel Identicon
    Alexander Michel
    22. November 2007 21:06

    Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
    als aktives Mitglied der J-GCL in Würzburg kann ich über die Entscheidung von P. Provinzial Stefan Dartmann leider nur mein Bedauern ausdrücken.
    In meinen Augen hat der Verband gerade durch das Engagement der Jesuiten einen neuen Aufschwung bekommen. Speziell die etwas andere Art und Weise junge Menschen zum glauben zu führen, hatte in der J-GCL zu einer noch nie dagewesenen Motivation geführt, sich aktiv mit dem Glauben auseinanderzusetzten. Desweiteren wird dadurch leider eine der wichtigsten Säulen unserer Arbeit, nämlich die „ignatianische Spiritualiät“, zum Einsturz gebracht. Dies kann leider nicht mehr durch ehrenamtliches Engagement aufgefangen werden sondern sollte viel mehr weiterhin durch den Orden der Jesuiten mitgetragen werden.

    Aber nicht nur deswegen ist der Ausstieg der Jesuiten aus der Jugendarbeit so ein herber Schlag für die J-GCL, sondern auch da uns ab Juli 2008 damit mehr als geistlicher Leiter genommen wird. P. Holger Adler hat es so gut wie kaum ein anderer verstanden, Jugendliche in Verantwortung zu „fordern“ und gleichzeitig auch zu „fördern“.

    Schöne Grüße aus Würzbrug
    Alex

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