28. April 2008

Grüssauer Klosterbibliothek wandert auf den Müll

Der Abt der Benediktinerabtei Neuburg bei Heidelberg, Franziskus Heereman OSB, hat die unangenehme Aufgabe, das ehemalige Kloster Grüssau in Bad Wimpfen aufzulösen und für die Hinterlassenschaften der Mönche eine weitere Verwendung zu finden. In seinem Blog »Tagebuch des Abtes« berichtet er über die Auflösung der Klosterbibliothek:

«Die Bibliothek hat sich etwas geleert; aber weit über die Hälfte der Bücher warten immer noch auf eine neue Heimat. Demnächst habe ich noch einmal einen Termin mit einem Antiquar. Die weiteren Etappen lauten Flohmarkt und dann Container. Klöster, denen ich die Bücher umsonst für einen Stand im Klosterladen oder Gästehaus angeboten habe, winkten müde ab. Es scheint, als seien Bücher zu einer Art Sondermüll geworden.«

Das ist dann das klägliche Ende der ehemals berühmten Abtei Grüssau. Ich habe vor ein paar Jahren mal einen der Grüssauer Mönche, den Schneider Br. Michael, gefragt, was sie in ihrer Abtei so machen. Er hat mir geantwortet: »Was sollen wir schon groß machen. Wir sind ja nur noch zu dritt.« Bruder Michael Röderer lebt heute in der Abtei Neuburg, der letzte Abt, Laurentius Hoheisel, im Seniorenheim und der dritte ist Spiritual bei den Benediktinerinnen in Kellenried.

Neben den Nachrichten aus Bad Wimpfen gibt es im Tagebuch des Abtes noch Fotos vom Besuch eines Fernsehteams in Kloster Neuburg und – wahrscheinlich interessanter, weil danach in der letzten Woche immer wieder gesucht wurde und auch noch wird – von der zweiten Session des Generalkapitels der Beuroner Kongregation in der Erzabtei Beuron, vom 13. bis 19. April 2008. Von diesem Generalkapitel wurde P. Albert Schmidt OSB zum Abtpräses gewählt, der noch am letzten Tag, am 19., geweiht wurde. Man sieht sah ihn hier geigespielend.

Lesermeinungen

Ein Kommentar zu “Grüssauer Klosterbibliothek wandert auf den Müll”

  1. Dr.Jürgen Richter Identicon
    Dr.Jürgen Richter
    20. Mai 2008 10:47

    Es ist sehr traurig, wenn man obigen Text liest. Ich hätte vorgeschlagen, daß man sich auch an die Oblaten der grüssauer Mönche wendet. Möglicherweise gibt es auch hier Abnehmer für Bücher oder aber auch an ehemalige schlesische Studentenverbindungen wie z.B. Winfridia im CV in Münster.
    Mit freundlichem Gruß Richter

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