23. Mai 2008

Ordensleute: Wir sind keine Lückenbüßer in der Kirche

Osnabrück – Ordensgemeinschaften wollen in vielen Bereichen Vorbild sein, pochen aber auf Unabhängigkeit von kirchlichen Strukturen.

„Unsere Aufgabe ist, geistliche Orte in der Kirche wach zu halten, ohne uns vereinnahmen zu lassen“, sagte Benediktinerpater Anselm Grün am Freitag auf dem 97. Katholikentag in Osnabrück. „Wir leisten Dienst an der Kirche, aber auf unsere Weise. Wir sind keine Lückenbüßer.“ Jesuiten-Pater Klaus Mertes bestätigte: „Wir sind keine Leihfirmen der Diözese.“

Bei der Podiumsdiskussion waren sich die Ordensleute einig: Ordensgemeinschaften können in vielen Bereichen Vorbild für die Kirche sein. „Die Menschen schauen auf die Ordensleute, auf ihr Tun, auf ihre Worte“, sagte Dominikaner-Schwester Jordana Schmidt. „Wir haben Verantwortung, Vorreiter zu sein und auch über die Grenzen der Gesetzeslage hinwegzugehen, um Dinge in Bewegung zu bringen, wie zum Beispiel beim Kirchenasyl.“ Zudem empfinde sie den Orden als Oase einer demokratischen Gemeinschaft. Dort sei sie als Frau gleichberechtigt, was sie in der Kirche vermisse. Auch Grün sieht das Kloster als Modell für die Kirche. „Wir versuchen als Gemeinschaft zu leben und Konflikte zu lösen.“ Zudem stehe dort Gott im Mittelpunkt und nicht eine Struktur.

Mertes bezeichnet die missionarische Präsenz als die wichtigste Aufgabe der Orden. Sie begäben sich an Orte, an denen die Kirche sonst nicht präsent sei. Ein Beispiel dafür sind die Zisterzienserinnen, die sich 1999 nahe der Lutherstadt Eisleben niederließen. Für Katholiken eine Diaspora – über 90 Prozent der Einwohner gehören keiner Konfession an. Schwester Assumpta Schenkl baute dort mit sieben Mitschwestern das Kloster Helfta aus den Ruinen wieder auf. Ihr Ziel: „Den Glauben in einem fast glaubenslosen Land wieder zu beheimaten“, so die Äbtissin. Dazu übernahmen die Schwestern einen Kindergarten, in dem sie mit Zustimmung der Eltern den Kindern den Glauben näherbringen.

Über die beste Methode, Nachwuchs für die Orden zu gewinnen, waren sich die Podiumsteilnehmer jedoch nicht einig. „Wir müssen unser geistliches Leben so intensiv und ehrlich leben und somit Ausstrahlung haben“, ist sich Schwester Assumpta sicher. Pater Anselm Grün befürwortet hingegen eine offensivere Haltung. Die Orden müssten zwar nicht aggressiv werben, jedoch präsent sein, vor allem im Internet. Zudem müssten Laien mehr eingebunden werden. „Wir Ordensgemeinschaften können nicht mehr alles selber tun, sondern müssen auch Raum für engagierte Laien bieten.“

(Katholikentag)

Lesermeinungen

Ein Kommentar zu “Ordensleute: Wir sind keine Lückenbüßer in der Kirche”

  1. Matthias U.
    23. Mai 2008 23:49

    Ich habe den Eindruck, daß Ordensleute gerade im Bistum Münster eine schlechte Position haben. Ihr Dienst wird von der Bistumsleitung nur der Form wegen honoriert. Sie scheinen als ein eher lästiges Anhängsel gesehen zu werden.
    Als ich damals nach menschenverachtenden Machenschaften nicht in den Kirchendienst übernommen wurde sagte mir der damalige Weihbischof Dr. Voß, daß ich ja in einen Orden eintreten könne. Er habe auch schon einen für mich ausgesucht, und zwar den Kapuzinerorden. – Eine generelle Verachtung von individuellen Lebensentscheidungen zahlloser OrdenschristInnen ! –
    So viel zu diesem Thema.

    gez.
    Matthias U.

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