22. September 2008

Perle für Perle – Ein Interview mit P. Karl Wallner OCist

Zum Rosenkranzfest am 7. Oktober und zum Rosenkranzmonat Oktober: Pater Karl Wallner über die Wiederentdeckung des Rosenkranzgebets als Weg zu Gott, den Unterschied zu Amuletten und Steinen und das Gebet einer Seligen für Gorbatschow.

Das Gespräch führte Michael Ragg vom weltweiten katholischen Hilfswerk »Kirche in Not«.

Sinn und Glück im Glauben (Gebundene Ausgabe)
von Karl Josef Wallner
Preis: EUR 14,90

P. Karl Wallner OCist, Heiligenkreuz (Foto: Roland Noé, Creative Commons Licence)

P. Karl Wallner OCist, Heiligenkreuz (Foto: Roland Noé, Creative Commons Licence)

Michael Ragg: In ihrem neuen Buch „Sinn und Glück im Glauben“ preisen Sie unter anderem eine Gebetsform an, die fast ausgestorben schien, in jüngster Zeit aber neue Anhänger findet: das Rosenkranzgebet. Warum liegt es ihnen so am Herzen?

Pater Karl Wallner: Der Rosenkranz ist mir ein persönliches Anliegen, weil ich durch ihn als Jugendlicher selbst ganz tief den Zugang zum Glauben gefunden habe.

Was haben Sie damals erlebt?

Pater Karl Wallner: Ich bin auf den Rosenkranz gestoßen, weil der immer am Freitag Abend in unserer Dorfkirche vor der Abendmesse gebetet wurde. Am Anfang empfand ich ihn als bedrückend langweilig, aber mit der Zeit habe ich gerade dadurch so richtig beten gelernt. Plötzlich ist ein „Du“ vor mir aufgetaucht, wurde Jesus ein „Du“ für mich. Durch die Vermittlung der Muttergottes bildete sich eine Beziehung zu Gott. Das war ein Schlüssel-Ereignis in meinem Leben, durch das ich erst richtig gläubig und richtig Christ geworden bin.

Kurzgefasst: Was heißt eigentlich Rosenkranzbeten?

Pater Karl Wallner: Ich habe immer nur einen einfachen Rosenkranz aus Plastik bei mir. Es gibt sehr schöne Rosenkränze. Aber manche schönen Rosenkränze hängt man nur an die Wand, legt sie in Schubladen oder hängt sie hinter den Autospiegel. Meiner ist sehr widerstandsfähig. Er ist ein geweihter Gegenstand, aber er dient vor allem dem Gebrauch. Und er ist ganz leicht zu beten: Man lässt die Gebetsschnur durch die Hand gleiten. Wo das Kreuz ist, betet man das Glaubensbekenntnis, die größeren Perlen sind ein Vaterunser und die kleineren Perlen ein „Gegrüßet seist du Maria“. Im Ganzen besteht er aus fünfmal zehn „Gegrüßet seist du Maria“. Jedes der fünf Teile wird „Gesätzchen“ genannt, bei jedem Gesätzchen bedenkt und meditiert man ein anderes Geheimnis aus dem Leben Jesu.

Was da gebetet wird, das Vaterunser und das Ave Maria, ist ja alles gut biblisch fundiert. Nur an einer Stelle im Ave Maria haben vor allem protestantische Christen Bedenken, wenn es heißt: „Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder.“ Sie sagen dann, warum brauche ich die Gottesmutter Maria, die für mich bittet? Ich kann mich doch direkt an Gott selbst wenden.
Tatsächlich ist es so, dass der Rosenkranz vielleicht das biblischste Gebet ist, das wir Christen kennen. Denn das Vaterunser ist ja das Gebet, das uns die Heilige Schrift selbst als Lehrgebet Jesu überliefert, und der erste Teil des Ave Maria besteht aus zwei zusammengefügten Bibelworten. Die Marienverehrung ist ja keine Erfindung von uns Katholiken, sondern letztlich eine Erfindung Gottes, des Schöpfers, der uns erlösen wollte. Er lässt die Frau in Nazaret grüßen mit den Worten des Engels: „Gegrüßt seist Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.“ Das zweite biblische Wort, das eingefügt ist, wieder aus dem Lukas-Evangelium, ist der Gruß, den Elisabeth Maria sagt: „Du bist gebenedeit“ – also gesegnet – „unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.“

Übrigens: Martin Luther hat einen wunderbaren Magnificat-Kommentar geschrieben und er bejaht alle Marien-Dogmen, die wir haben. Allerdings, was er nicht mehr mitvollziehen kann, ist der zweite Teil, wo wir Maria um ihre Fürsprache bitten: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“

Warum braucht es diese Fürbitte Marias?

Pater Karl Wallner: Gott wollte zu uns Menschen in diese Welt hinabsteigen. Er wollte hier in dieser Welt konkret gegenwärtig werden, in einer menschlichen Weise, mit einem menschlichen Leib, in einer wirklich menschlichen Existenz als Jude, aus einer Frau geboren. Die älteste Marienstelle, Galater-Brief 4,6, bezieht sich darauf. Dazu verwendet Gott gleichsam Stufen des Abstiegs und eine davon ist Maria. Und deshalb glauben wir, dass Maria, durch die Gott zu uns abgestiegen ist, auch der Weg ist, wie wir zu Gott aufsteigen können. Das ist keine Konkurrenz zu Jesus!

Sinn und Glück im Glauben (Gebundene Ausgabe)
von Karl Josef Wallner
Preis: EUR 14,90

Eine biblische Meditation

Es geht also nicht darum, einen unnahbaren Gott zu erweichen und seine harten Entscheidungen durch Marias Einfluss abzumildern?

Pater Karl Wallner: Gott ist unendlich barmherzig. Es ist auch Ausdruck seiner Barmherzigkeit, dass er uns Zugänge zu sich eröffnet, die tief im Menschlichen verwurzelt sind. Ich glaube, dass Gott, der Erlöser, Gott, den Schöpfer, nicht verleugnet. Und der Schöpfer hat jeden Menschen in einer bestimmten psychologischen Liebesfähigkeit auf seine Mutter hin geschaffen. Das Mütterliche ist eine allgemeine geschöpfliche Kategorie im Menschen. Jetzt wird im Raum der Erlösung eben dieses Mütterliche nochmals erhöht und es wird zu einem Zugang zum übernatürlichen Erlöser Jesus Christus.

Nun verändert sich unsere Welt, verglichen mit früheren Jahrhunderten, geradezu atemberaubend schnell. Da schätzen viele Menschen etwas Althergebrachtes wie den Rosenkranz. Woher kommt er eigentlich?

Pater Karl Wallner: Der Rosenkranz ist eine biblische Meditation, die bereits aus dem Mittelalter stammt. Die spannende Geschichte beginnt bei uns Mönchen. Sie sehen ja hier einen 950 Jahre alten Mönch – also ich selbst bin nicht so alt, aber mein Orden. In den Klöstern wurden immer die Psalmen gebetet. Gerade bei uns Zisterziensern kamen im Mittelalter sehr viele Laienmönche dazu, die des Lateinischen nicht mehr so mächtig waren. Ihnen hat man dann erlaubt, nicht die 150 Psalmen, sondern zunächst einmal 150 Vaterunser zu beten, aufgeteilt in drei Teile, also dreimal fünfzig. Und dann ist man vom Vaterunser gewechselt auf das Ave Maria. So ist im 12.-14. Jahrhundert der Rosenkranz entstanden. Er ist dann sehr schnell aus den Klöstern hinausgegangen und zu einer Frömmigkeitsform des Volkes geworden.

Den großen Durchbruch brachte ausgerechnet eine Seeschlacht …

Pater Karl Wallner: Ja, das war im 16. Jahrhundert die Seeschlacht bei Lepanto, wo der heilige Papst
Pius V. zum Gebet aufgerufen hat. Der Sieg über das türkische Heer wurde gerade am 7. Oktober errungen, der deshalb bis heute der Tag des Rosenkranzfestes ist.

Diese Funktion des Sturmgebetes hat der Rosenkranz ja auch nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer österreichischen Heimat erhalten.

Pater Karl Wallner: Österreich ist das einzige Land, das aus der kommunistischen Machtsphäre nach dem Zweiten Weltkrieg freigekommen ist – ohne irgendwelche gewaltsamen Ereignisse. Denken wir nur, wie es bis 1989 der DDR und den übrigen Satellitenstaaten der Sowjetunion ergangen ist. Aus Österreich dagegen sind die Russen 1955 abgezogen. Das führen viele auf eine Gebetsbewegung zurück, den Rosenkranz-Sühnekreuzzug, den der Franziskaner Petrus Pawlicek gegründet hat. Da sind Zehntausende, Hunderttausende Wiener betend über die Ring-Straße gezogen, auf der noch die vier Besatzungsmächte patrouilliert haben. Wir schreiben es wirklich der Fürbitte der Muttergottes zu, dass wir 1955 diesen Staatsvertrag bekommen haben, der Österreich zu einem westlichen, freien Land werden ließ.

Sinn und Glück im Glauben (Gebundene Ausgabe)
von Karl Josef Wallner
Preis: EUR 14,90

Rosenkranz – das wirksamste Gebet

Ihrem Buch kann man entnehmen, dass Sie auch in ihrem Kloster den Rosenkranz als Sturmgebet eingesetzt haben. Sie haben nämlich um Novizen gebetet, um Neueintritte in den Orden. Erfolgreich?

Pater Karl Wallner: Wir beten, glaube ich, alle bei uns im Kloster jeden Tag den Rosenkranz. Dass wir so viele Berufungen haben, ist ein Wunder Gottes. Wir haben sehr viele Eintritte. Ich glaube, das kommt daher, dass wir am Abend, nach der Komplet vor dem Allerheiligsten knien und vor dem Allerheiligsten noch den Rosenkranz beten. Er ist einfach das wirksamste Gebet, das es überhaupt gibt.

Hätten Sie nicht auch einfach in ihre Kirche gehen können und sagen: „Lieber Gott, schick uns Novizen“!? Gibt es tatsächlich Gebete, die wirksamer sind als andere?

Pater Karl Wallner (Foto: H. Klingen, katholisch.at)

Pater Karl Wallner (Foto: H. Klingen, katholisch.at)

Pater Karl Wallner: Vom subjektiven Erleben, glaube ich, schon. Es wäre sicher falsch, Gebete gegeneinander auszuspielen. Als Mönch stehe ich ja jeden Tag drei Stunden beim Chorgebet. Das Chorgebet, so hat es der Heilige Vater auch am 9. September 2007 bei seinem Besuch im Kloster Heiligenkreuz definiert, ist zweckfrei. Wir Mönche preisen Gott einfach im Psalmengesang, weil er gut ist. Wir stehen einfach da, um der ganzen Menschheit einen Mund zu geben, der Gott lobt und preist. Aber der Rosenkranz ist ein zielgerichtetes Gebet, das eine gewisse Wirkung erzielen möchte. Zumindest bete ich ihn so.

Weil es mir als Sechzehn-/Siebzehnjähriger beim Rosenkranzbeten so fad war, habe ich bei jedem „Gegrüßet seist du, Maria“ an jemand anderen gedacht. Dann ist die Zeit schnell vergangen – und mein Verhältnis zu den Anderen hat sich verbessert. Oder: Ich war ein bisschen ein Streber in der Schule, habe immer ein „sehr gut“ gehabt und wollte das auch. Ich habe dann auch vor Schularbeiten gezielt gebetet, etwa in Mathematik, was immer grauenhaft für mich war. Ich habe sogar dort mit „sehr gut“ Abitur gemacht. Also es funktioniert einfach. Und ich habe das immer wieder bei den Jugendlichen auch so propagiert: Wenn du in der Schule Probleme hast, dann lerne, aber bete vielleicht auch vor der Schularbeit ein Gesätzchen Rosenkranz oder den ganzen. Und dann kommen die Jugendlichen: „Mensch, Pater Karl, voll cool, es hat funktioniert!“ Es ist einfach so.

Abschreckend wirken ja oft die vielen Wiederholungen, obwohl man das bei den heute so beliebten fernöstlichen Gebetsformen ja auch kennt. Was gewinnt man denn durch das Wiederholen?

Pater Karl Wallner: Es ist schwer, jemandem den Geschmack eines Wiener Schnitzels zu erklären, der noch nie eines gegessen hat. Den Geschmack lernt man nur kennen, wenn man mal herzhaft zubeißt. Und das selbe rate ich beim Rosenkranz: einmal herzhaft zubeißen und sich ohne Scheu auf diese fünfzig „Gegrüßet seist du, Maria“ einlassen. Jugendliche sollten vielleicht einmal mit zehn „Gegrüßet seist du, Maria“ beginnen, also einem Gesätzchen. Dann zeigt sich, welch hohe Wirkung diese Wiederholungen haben.

Am Anfang des Gebets habe auch ich immer einen gewissen Widerstand. Der heilige Thomas von Aquin sagt sogar: Der Mensch betet von Natur nicht gerne. Klar, wir sind durch die Erbsünde verwundet. Der Teufel hat kein Interesse daran, dass wir eben jetzt beten und mit Gott in Verbindung kommen. Aber indem man beginnt und sich dann gleichsam Perle für Perle hineinziehen lässt, klärt sich Vieles. Man spürt hinterher immer fast eine höhere Energie, ohne dass ich das esoterisch deuten möchte; man erhält einfach mehr Gnade, Freude und Kraft durch dieses Gebet.

Sinn und Glück im Glauben (Gebundene Ausgabe)
von Karl Josef Wallner
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Zügig und rhythmisch beten

Das Rosenkranzbeten nimmt ja Zeit in Anspruch – und wir haben doch alle keine Zeit. Wie kann man denn dieses Gebet so in den Alltag einbauen, dass einem diese Ausrede nicht mehr zur Verfügung steht?

Pater Karl Wallner: Zunächst einmal: Man muss sich für den Rosenkranz einfach Zeit nehmen. Viele Leute sagen, meistens als Ausrede: Ich bete etwas anderes. In Wirklichkeit beten sie oft überhaupt nichts. Du brauchst einfach auch eine bestimmte Zeit, die du dir nimmst für Gott. Und beim Rosenkranz ist das automatisch vorgegeben. Aber: Wir haben an unserer Schule mehrere Studenten aus Asien und Afrika, und mit einem Priester aus Nigeria habe ich unlängst beim Autofahren den Rosenkranz auf Englisch gebetet. Und da muss ich sagen, wir Deutschsprachigen neigen dazu, den Rosenkranz zu sehr zu dehnen. Er gehört aber zügig gebetet, mit einem gewissen Rhythmus, damit wir hineingezogen werden in die Tiefe der Gottesbegegnung. Der Rosenkranz mit dem erwähnten Father Godwin dauerte sechzehn Minuten.

Aber der Rosenkranz ist doch ein Betrachtungsgebet. Man betrachtet die Geheimnisse Jesu, das sind ja wahrhaft große Geheimnisse, „Jesus, der von den Toten auferstanden ist“ und so weiter. Das soll aber zügig und rhythmisch gebetet werden. Wie geht das zusammen?

Pater Karl Wallner: In Fatima hat die Muttergottes von den ganz jungen Hirtenkindern gefordert, dass sie den Rosenkranz betrachtend beten. Auf Portugiesisch dauert ein Rosenkranz zwölf Minuten. Also sage ich ihnen: Die Betrachtung geht auch dann. Ich glaube, dass wir Deutschsprachigen deshalb so ein Problem mit dem Rosenkranz haben, weil uns diese Rhythmik oft fehlt. Betrachtung ist ganz wichtig, es ist ein biblisches Gebet. Deshalb hat ja jedes Gesätzchen ein eigenes biblisches Geheimnis, was Papst Johannes Paul II. sogar erweitert hat im „Lichtreichen Rosenkranz“.

Nehmen wir zum Beispiel das Geheimnis, das Sie angesprochen haben. Dann geht’s mir so, dass ich mir bei den ersten „Gegrüßet seist du, Maria“ dieses Geheimnisses die Auferstehung der Toten vorstelle. Dann fallen mir meistens irgendwelche Leute ein, irgendwelche Situationen, die ich bewältigen muss. Diese Gedanken vertreibe ich nicht, sondern halte es mit Thérèse von Lisieux, die gesagt hat: Wenn dir Personen einfallen und Gedanken kommen, dann nimm sie mit hinein ins Gebet.

Manche beten den Rosenkranz als Einschlafhilfe – statt Schäfchenzählen…

Pater Karl Wallner: Ja, das ist auch nicht so schlecht. Ich denke, es ist nicht die höchste Form, wie man den Rosenkranz beten soll, aber er hat natürlich etwas Beruhigendes. Manchmal bete ich auch, wenn ich nicht schlafen kann oder wenn ich zu früh aufwache, den Rosenkranz.

In ihrem Buch regen Sie an, während einer monotonen, mechanischen Tätigkeit, den Rosenkranz zu beten.

Pater Karl Wallner: Genau, auch beim Autofahren. Ich kannte einen Priester, als der in den zweiten Gang geschaltet hat, war das erste Gesätzchen schon „im Gange“. Ich glaube, das ist auch gut so. Das Autofahren automatisiert sich ja auch. Das ist sicher auch nicht die höchste Form der Konzentration, die man da aufbringt. Wer nur beim Autofahren oder bei monotonen Tätigkeiten als Hintergrundrauschen betet, dem rate ich doch: Nimm dir doch ab und zu Zeit, dich in eine leere Kirche zu knien mit Blickrichtung auf das Allerheiligste und bete den Rosenkranz. Oder setz dich in deine Wohnung mal in eine Ecke oder stehe eine Viertelstunde früher auf als normal und bete ihn.

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Im Auto mit Mutter Teresa

Warum enthält der Rosenkranz die Summe des christlichen Glaubens?

Pater Karl Wallner: Papst Johannes Paul II. hat die drei Ketten von Geheimnissen erweitert. Wir hatten bisher die Kindheit Jesu im Freudenreichen Rosenkranz, das Leiden Jesu im Schmerzhaften und den Sieg Christi über Sünde und Tod im Glorreichen Rosenkranz. Papst Johannes Paul II. hat jetzt die Mysterien des irdischen Lebens Jesu zugefügt und uns den Lichtreichen Rosenkranz geschenkt. Damit sind etwa die Hochzeit zu Kana, die Verkündigung des Evangeliums oder die Stiftung der Eucharistie, diese ganz wichtigen Geheimnisse des irdischen Lebens Jesu, mit hineingenommen.

Vor fünf Jahren haben die kubanischen Bischöfe das Hilfswerk „Kirche in Not“ gebeten, 400 000 Rosenkränze nach Kuba zu schicken. Sie sagten: Wir haben so wenige Priester, da bauen wir die Gemeinden um den Rosenkranz herum auf. Wäre das auch eine Anregung für uns, in Gegenden, in denen die Menschen nicht so leicht zum Gottesdienst können?

Pater Karl Wallner: Ja, Hauskirche, Gebetsgruppen – Pater Pio wollte solche haben -, Mutter Teresa hat den Rosenkranz nie aus der Hand gegeben. Ich habe die inzwischen Seliggesprochene 1988 chauffiert. Mutter Teresa ist ins Auto gestiegen, und die Menschen haben sich um das Auto gedrängt. Mutter Teresa saß neben mir. Und ich war wirklich erst im zweiten Gang, da hat sie gesagt: „Let’s pray for Mister Gorbatschow.“ Ja, für Gorbatschow! Die Perestroika, die Ereignisse von 1989, waren damals nicht voraussehbar. Und sie hat dann mit ihren Schwestern, die hinter uns gesessen sind, den Rosenkranz gebetet.

Ich glaube, dass der Rosenkranz für die ganze Welt geeignet ist, ganz besonders auch für Jugendliche. Es ist ein so simples Gebet. Wir müssen nur die drei Grundgebete können: das Vaterunser, das „Gegrüßet seist du, Maria“, das „Ehre sei dem Vater“, dann vielleicht noch das Fatimagebet. Jugendliche, die damit beginnen, haben etwas in der Hand, sie haben ein Zeitmaß. Sie können sich auch eine gewisse Leistung abfordern, heute ein Gesätzchen, dann einen Monat lang zwei Gesätzchen. Ich sehe, wie Jugendliche auf diese Weise sehr schnell und sehr tief beten lernen.

Es gibt ja Puristen, die sagen: Katholiken brauchen immer solche Gegenstände, die doch wirklich nicht nötig sind, wenn man mit Gott spricht …

Pater Karl Wallner: Das fragen mich auch meine Jugendlichen. Ich gebe dann immer folgende Antwort: Der Rosenkranz ist gut, das ist ein sakramentaler, geweihter Gegenstand. Aber beim Autofahren kann ich auch nicht den Rosenkranz auf diese Weise beten. Doch der liebe Gott hat schon immer gewusst, dass er den Rosenkranz zu unserem Heil verwenden will, deshalb hat er uns zehn Finger geschaffen. Und so kann man auch anhand der Finger die Geheimnisse mitzählen.

Heute sieht man ja den Rosenkranz wieder öfter, nicht nur beim Gebet. Viele nehmen ihn als Mode-Artikel, er wird auch in ganz normalen Modeläden für junge Mädchen verkauft und gern getragen. Ist das gut?

Pater Karl Wallner: Naja, einerseits freue ich mich, wenn ein religiöser, katholischer Gegenstand verbreitet wird. Es ist mir lieber, wenn die Kids einen Rosenkranz tragen – auch wenn sie seine Bedeutung nicht kennen, als wenn sie irgendwelche Amulette oder dämonische Zeichen tragen. Aber natürlich ist ein Rosenkranz, den man nur als Schmuckstück trägt, genauso peinlich wie die Claudia Schiffer mit einem großen Kreuz auf ihrer Brust.

Mancher trägt den Rosenkranz vielleicht auch wie ein Amulett. Was ist denn der Unterschied zwischen einem geweihten Gegenstand, den der Katholik in seinem Glaubensvollzug einsetzt, und einem Amulett, einem Glücksbringer?

Pater Karl Wallner: Die Grundstruktur ist anders: Mit Amuletten, Steinen und was es da in der Esoterik alles gibt, möchte man das Göttliche, das Jenseitige, bezwingen, man möchte es, ganz egozentrisch instrumentalisieren. Und damit liefere ich mich eigentlich dämonischen Kräften aus. Unsere geweihten Gegenstände sind uns ja von Gott geschenkt, damit wir uns auch über unsere Sinne besser mit Gott verbinden. Gott bleibt es überlassen, auf unser Gebet so zu antworten, wie es seiner Liebe zu uns entspricht. Da ist ein gewaltiger Unterschied.

Pater Karls Buch

Sinn und Glück im Glauben (Gebundene Ausgabe)
von Karl Josef Wallner
Preis: EUR 14,90

Pater Karl Wallner

Pater Karl Wallner ist Gründungsrektor der „Päpstlichen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ und Professor für Sakramenten-Theologie. Er ist mit der Öffentlichkeitsarbeit für die sensationell erfolgreiche CD „Chant – Music for Paradise“ beauftragt, von der bis heute fast eine halbe Million CDs mit Gregorianischem Choral über die Ladentische gegangen sind. Das brachte Pater Wallner die Einladung Thomas Gottschalks für „Wetten, dass..?“ am Samstag, 4. Oktober, ein.

Das vorstehende Interview basiert auf einem Fernsehgespräch im Rahmen der von „Kirche in Not“ für die Sender K-TV, EWTN und Bibel TV produzierten Reihe „Spirit – Leben mit Stil“. Zu sehen ist es in voller Länge auf www.gloria.tv.

Eine DVD oder Hör-CD der Sendung kann man unentgeltlich bei „Kirche in Not“ anfordern unter: Telefon 0 89 / 7 60 70 55, info@kirche-in-not.de oder www.kirche-in-not.de.

Lesermeinungen

Ein Kommentar zu “Perle für Perle – Ein Interview mit P. Karl Wallner OCist”

  1. Sr. Alina Identicon
    Sr. Alina
    23. September 2008 22:50

    ob das rosenkranzgebet wohl auch bei übertriebener geschäftstüchtigkeit und eitelkeit bei ganz bestimmten zisterziensern hilft? offensichtlich nicht. schade eigentlich!

Was sagen Sie dazu?