16. Dezember 2008

Gebeine von Hermann Cohen OCD nach Frankreich überführt

Rom (Curia OCD) – Die sterblichen Überreste des deutschstämmigen Karmeliten P. Augustin vom hlgst. Sakrament (Hermann Cohen, 1820–1871) wurden von Berlin in die Klosterkirche Le Broussey überführt, wo Cohen seit 1868 Novizenmeister war.

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Hermann Cohen (Pater Augustin Maria vom heiligsten Sakrament OCD) wurde 1820 als Sohn jüdischer Eltern in Hamburg geboren. Seit 1834 in Paris wurde er als musikalischer Wunderknabe berühmt. Er war Schüler von Franz Liszt und einer der gefeiertsten Pianisten seiner Zeit.

Nach einem Damaskuserlebnis im Mai 1847 ließ sich Cohen taufen und trat 1849 in den Karmelitenorden ein. 1851 zum Priester geweiht, wirkte er als Prediger in Südfrankreich. 1863 gründete er in London die erste Niederlassung seines Ordens und kehrte 1868 nach Frankreich zurück.

1870/71 kam er in der Folge des deutsch-französischen Krieges (Sédan, September 1870) nach Berlin-Spandau, um unter den 5000 Gefangenen den sterbenden Soldaten die Krankensalbung zu spenden. Bei diesem Dienst steckte er sich selbst mit einer tödlichen Infektionskrankheit an und starb als »Märtyrer der Liebe« am 21. Januar 1871.

Der Karmelitenorden in Frankreich bemüht sich um seine Seligsprechung.

Hermann Cohen wurde zunächst in der Krypta der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin beigesetzt. Während der Bombardierung und dem Einsturz dieses Gotteshauses in der Nacht des 2. März 1943 blieb sein Grab unbeschädigt. Seine sterblichen Überreste wurden daraufhin auf den Sankt-Hedwigs-Friedhof übertragen. Die 1961 errichtete Berliner Mauer ging nur wenige Zentimenter an seinem Grab vorbei. Die Familiaren der Berliner Karmelgemeinschaft kümmerten sich um seine Grabstätte.

In den 1980er Jahren kaufte ein französischer Priester die alte Einsiedelei von Tarasteix, die P. Augustin Cohen 1856 gegründet hatte. Ohne Zustimmung des Bischofs von Tarbes-Lourdes initiierte Abbé Marcel dort ein »Phantasie-Heiligtum« und unternahm alles, um die sterblichen Überreste von P. Hermann Cohen aus Berlin dorthin zu bringen.

Während eines Besuches im Noviziat von Jauernick (DDR) im April 1982 hatte P. Dámaso Zuazua eine Unterredung mit dem damaligen Bischof von Berlin, dem heutigen Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner. Er machte dem Bischof klar, dass außer dem Karmelitenorden niemand das Recht hätte, die sterblichen Überreste dieses Karmeliten für sich zu beanspruchen. Der Bischof stimmte dem zu. Einige Zeit später veröffentlichte Pater Damaso einen kurzen Artikel zu diesem Thema. Nach diesen Ereignissen beauftragte 2004 die Karmelitenprovinz von Avignon-Aquitanien P. Dámaso, alles Notwendige in die Wege zu leiten, um die sterblichen Überreste von P. Cohen von Berlin in die Kirche des Klosters von Le Broussey (Frankreich) zu überführen.

Nachdem er alle kirchlichen, zivilen, medizinischen und administrativen Genehmigungen erhalten hatte, schritt man am 2. Dezember 2008 um 7 Uhr morgens zur Öffnung des Grabes. Es erfolgte die Rekognition der sterblichen Überreste, wobei es leicht fiel, das komplette Skelett zu identifizieren. Es wurde sogar das zehn Zentimeter große, gut erhaltene Sterbekreuz aus Holz gefunden. Der Gerichtsmediziner überprüfte die Gebeine auch hinsichtlich irgendwelcher Krankheiten. Die gesamte Kommission war sehr darüber überrascht, die Gebeine des vor 137 Jahren verstorbenen Karmeliten in einem derartig guten Zustand vorgefunden zu haben, trotz zweimaliger Umbettung. Der Ordinariatskanzler Manfred Ackermann redigierte den notariellen Akt, der auch mit Fotografien ergänzt wurde.

Der Metallsarg wurde schließlich P. Dámaso Zuazua übergeben, damit ihn dieser, mit Unterstützung eines Berliner Bestattungsunternehmens, per Flugzeug nach Bordeaux transportierte. Die sterblichen Überreste von P. Hermann Cohen ruhen nun in der Kirche des Klosters von Le Broussey, wo er seit 1868 Novizenmeister gewesen war. In der Krypta liegt er nun neben dem Grab von P. Domingo Arbizu vom hl. Josef, der ein enger Mitarbeiter von P. Hermann Cohen bei der Wiederbelebung des Karmels in Frankreich war.

Die Überführung der sterblichen Überreste geschah vor allem auch in Hinblick auf die baldige Eröffnung des kanonischen Prozesses zur Seligsprechung Cohens Zu seinen Verdiensten zählt auch die Gründung des Karmels in London sowie die Initiierung der »Nächtlichen Anbetung«ebenda.

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Lesermeinungen

2 Kommentare zu “Gebeine von Hermann Cohen OCD nach Frankreich überführt”

  1. Msgr. Peter Schmidt-Eppendorf Identicon Icon
    29. September 2009 22:57

    Mit großer Mühe haben wir für das Grab von P. Hermann auf dem Friedhof an der Liesenstraße in Berlin am 28. August 2006 einen Grabstein aufstellen lassen. Der Stein hat 4000.- (viertausend) EURO gekostet. Mir wurde gesagt, dieser Stein solle in Zukunft an der Außenwand der Friedhofskapelle aufgestellt werden. Das ist bis heute (29.9.2009) nich geschehen. Ich frage deshalb die Verantwortlichen: wo befindet sich der Grabstein? Wenn man in Berlin kein Interesse an einem Denkstein für diesen bedeutenden Priester hat, möchte ich den Stein nach Hamburg holen lassen und ihn am Kloster der Karmelitinnen in Finkenwerder aufstellen.
    Msgr. Peter Schmidt-Eppendorf
    Haakestraße 97
    21075 Hamburg
    Tel.: 040-79144474

  2. Msgr. Peter Schmidt-Eppendorf Identicon Icon
    29. November 2009 00:28

    Der Grabstein wurde tatsächlich zum 21.11.2009 wieder an seiner bisherigen Stelle aufgestellt. Allen Beteiligten sei herzlich dafür gedankt!
    P. Schmidt-Eppendorf

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