19. Dezember 2009

Benedikt XVI. erkennt heroischen Tugendgrad Johannes Pauls II. und Pius‘ XII. an

Rom (zenit.org) – Papst Benedikt XVI. hat heute den heroischen Tugendgrad von Papst Pius XII. (1876–1958) und Johannes Paul II. per Dekret anerkannt. Für die Seligsprechung ist jetzt nur noch ein anerkanntes Wunder notwendig.

Das teilte der Pressesaal des Heiligen Stuhls am Samstag in Rom mit. Unter einer langen Liste von Anerkennungen stehen zudem die Namen anderer weltweit bekannter kirchliche Vorbilder, wie die selige Mutter Mary MacKillop, die nun im Begriff ist, die erste Heilige Australiens zu werden. Zudem sind auch der im Oktober 1984 ermordete polnische Priester Jerzy Popieluszko sowie die Engländerin Mary Ward (1585–1645) darunter, Gründerin des Instituts der Englischen Fräulein (heute Congregatio Jesu), das als Mädchenschulorden weltweit bekannt ist. Wards heroischer Tugendgrad ist anerkannt worden.

Jerzy Popieluszko war am 19. Oktober 1984 von Offizieren des polnischen Staatssicherheitsdienstes entführt worden. Elf Tage später wurde sein Leichnam in einem Stausee gefunden. Rund 250.000 Menschen begleiteten daraufhin seine Beisetzung in Warschau. Die Täter hatten den Priester grausam zu Tode gefoltert. In seinen Briefen und Predigten hatte Popieluszko offen die Menschenrechtsverletzungen in Polen angeprangert. Sein Tod trug zum Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft bei, da er die Glaubwürdigkeit des Regimes wesentlich erschütterte. Sein Martyrium ist nun ebenfalls kirchlich anerkannt.

Lesermeinungen

Ein Kommentar zu “Benedikt XVI. erkennt heroischen Tugendgrad Johannes Pauls II. und Pius‘ XII. an”

  1. Paul Haverkamp Identicon
    Paul Haverkamp
    20. Dezember 2009 19:40

    Pius XII. war kein „Heiliger“!

    Wenn Papst Benedikt dem Pacelli-Papst „heroische Tugenden“ meint attestieren zu können, so muss einer solchen Bewertung aufs heftigste widersprochen werden.

    Im Juni 1940, kurz vor der Kapitulation Frankreichs, als die Gräueltaten der Nazis in Polen zumindest den obersten Diplomaten bekannt waren, schrieb der im Vatikan tätige Kardinal Eugéne Tisserant an den Erzbischof von Paris, Kardinal Emmanuel Suhard, : „Ich fürchte, die Geschichte wird dem Heiligen Stuhl vorzuwerfen haben, er habe eine Politik der Bequemlichkeit für sich selbst verfolgt, und nicht viel mehr. Das ist äußerst traurig, vor allem, wenn man unter Pius XI. gelebt hat. Und jedermann verlässt sich darauf, dass, nachdem Rom zur Offenen Stadt erklärt ist, von der Kurie niemand etwas zu leiden haben wird, das ist eine Schande.“

    Der britische Gesandte beim Papst, Sir Francis d’Arcy Osborne, schrieb 1942 nach London: „Tatsache ist, dass die moralische Autorität des Hl. Stuhls sich nun aufs Betrüblichste verringert. Angesicht der deutschen Verbrechen hört jede Neutralität auf. Das Schweigen des Papstes schadet seinen eigenen Absichten.“
    Als der britische Diplomat diese Zeilen formulierte, war die Ausrottung der Juden in Europa bereits in vollem Gange. Der Vatikan wusste von Massenmorden im Osten. So schrieb der Erzbischof von Lemberg, Andrzej Szeptyckyj, im August 1942 in einer vertraulichen Botschaft an den Papst: „Seit mindestens einem Jahr vergeht kein Tag, an dem nicht schreckliche Verbrechen, Erschießungen, Raub und Diebstähle begangen werden. Die Juden sind die ersten Opfer. Die Zahl der getöteten Juden in unserem kleinen Land (der ehemals polnischen Westukraine) ist sicherlich bereits auf über zweihunderttausend angestiegen.“

    Die Frage nach der Schuld der katholischen Kirche im Allgemeinen und der derjenigen von Pius XII. im Besonderen ist bis in die jüngste Gegenwart hinein immer wieder gestellt worden. Festzuhalten bleibt, dass Pius XII. als Friedensvermittler bereit stehen wollte und deshalb seine offiziellen Neutralität nicht zur Disposition stellen wollte. Das kostete moralische Opfer, nach Meinung des englischen Historikers Owen Chadwick zu große : „Die Vorbedingung für eine erfolgreiche (Vermittlung) war der Ruf, aufrichtig als Hirte der Christenheit echt besorgt und neutral zu sein. Pius XII. gelang es, diesen Ruf zu erwerben. Aber der Status der Neutralität zu erreichen, war nicht ohne Opfer möglich, und dieses Opfer wuchs, je mehr der Krieg sich verschlimmerte. Es bestand darin, dass der Papst in Öffentlichkeit schwieg und höchstens ganz allgemein sprach.“

    Aber – so Chadwicks letztes Urteil – nicht abwägende Diplomatie, sondern ein Aufschrei wäre nötig gewesen: „Es kann Augenblicke geben, ….wo nicht in erster Linie Weisheit gefragt ist, sondern wo eine moralische Situation – zum Teufel mit der Weisheit! – einen Gefühlfühlsausbruch verlangt.“

    Diesem Urteil des englischen Historikers möchte ich ausdrücklich zustimmen.

    Paul Haverkamp, Lingen

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