9. März 2010

Missbrauch: Auch Mehrerau ist betroffen

Mehrerau – Auch im Zisterzienserkloster Mehrerau in Vorarlberg habe es Übergriffe auf Schüler gegeben, wie Abt Anselm van der Linde heute gegenüber den Vorarlberger Nachrichten einräumte.

Abtei Mehrerau (Foto: Ulrich Prokop, cc-by-sa 2.5)

Die Missbrauchsfälle seien intern bekannt und zum Teil auch der Justiz gemeldet worden. Ein heute 60jähriger ehemaliger Zögling gab an, in den 60er Jahren immer wieder geschlagen und gedemütigt worden zu sein. „Ich kenne diese Vorwürfe, und ich will sie nicht kleinreden. Dass es früher Erziehungsmaßnahmen gab, die heute völlig undenkbar wären, muss man nicht in Frage stellen. Man muss sich der Sache stellen“, sagte Abt von der Linde heute in einem Interview der „VN“ zu den Gewaltvorwürfen.

Ein anderer Fall, diesmal von sexuellem Missbrauch, habe sich Anfang der 80er Jahre ereignet. Der Beschuldigte habe damals den Fall gestanden, zu einer Strafanzeige bei den Behörden sei es aber im Einverständnis mit den Eltern des Opfers nicht gekommen. Der beschuldigte Mönch sei aber aus dem Schuldienst entfernt und nach Tirol versetzt worden. Er habe sich zudem einer Therapie unterzogen.

Ein weiterer Übergriff habe sich 2001 in Innsbruck ereignet, wo ein Mehrerauer Konventsmitglied studiert habe. Der Mönch habe sich „einen Burschen aus dem Drogenmilieu geholt und später missbraucht.“ Er wurde von Abt Kassian Lauterer sofort suspendiert. Der Pater ist gerichtlich verurteilt worden, blieb aber uneinsichtig und lehnt bis heute eine Therapie ab. „Gegen ihn läuft gegenwärtig das Laisierungsverfahren, d.h. dass er seine priesterlichen Rechte und Pflichten verliert“, so Abt van der Linde.

Weitere Fälle seien Abt Anselm, seit er im Kloster ist (1994) nicht bekannt geworden. Er kündigte aber die Erarbeitung vorbeugender Maßnahmen an, u.a. wolle die Abtei eine unabhängige Stelle einrichten, bei der sich Betroffene melden können.

Im Blick auch auf die Entwicklung in Deutschland sagte der Mehrerauer Abt, spätestens nach den Vorwürfen gegen die Odenwaldschule, eine der bekanntesten deutschen Reformschulen, müsse allen klar sein, dass sexueller Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. Er halte deshalb auch die Idee der deutschen Familienministerin Kristina Schröder, einen runden Tisch mit allen Institutionen einzurichten, die mit Jugendlichen arbeiten, für eine gute Idee.

Das Interview mit Anseln van der Linde: Kloster Mehrerau geht in Offensive

Lesermeinungen

2 Kommentare zu “Missbrauch: Auch Mehrerau ist betroffen”

  1. Jonny Identicon
    Jonny
    11. März 2010 17:32

    Dieser betroffene wurde nicht vom Schuldienst suspendiert, er war mein Religionslehrer in den 90er Jahren!!!!

  2. housestudentin2 Identicon
    housestudentin2
    22. März 2010 14:57

    die mehrerau nimmt jetzt offenbar professionelle hilfe von aussen in anspruch, das ist klug. presseanfragen sind laut mehrerau-website an folgende krisenmanager zu richten:

    http://www.preventk.com/

    wird nicht billig sein, so ein krisenmanagement…

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