23. Januar 2012

Unbeschuhte Karmeliten übernehmen Kloster Michaelsberg

Siegburg – Die Ordensgemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten (OCD) und das Katholisch-Soziale Institut der Erzdiözese Köln (KSI) werden auf den Michaelsberg in Siegburg ziehen und das Kloster nach dem Weggang der Benediktiner wieder zu einem geistlichen Zentrum machen.

Abtei Michaelsberg

Nach dem Weggang der Benediktiner Mitte vergangenen Jahres hatte sich Erzbischof Joachim Kardinal Meisner intensiv um einen Orden bemüht, der die ehemalige Abtei weiterhin als geistliches Zentrum nutzt.

Sechs Priester des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten (OCD) werden in den bisher als Jugendgästehaus genutzten Teil des Klosters einziehen, der zu diesem Zweck umgebaut wird. Die aus Indien stammenden Ordensleute werden unter anderem täglich Gottesdienste in der Abteikirche feiern und seelsorglich tätig werden. Der Orden der Unbeschuhten Karmeliten wurde von Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz im Jahr 1568 in Duruelo (Spanien) begründet. Zum weiblichen Zweig des Ordens gehört auch das Karmelkloster „Maria vom Frieden“ in Köln, in das 1933 Edith Stein eintrat.

In die Gebäude des bisherigen Klosters auf dem Michaelsberg wird das Katholisch-Soziale Institut des Erzbistums Köln mit Sitz in Bad Honnef verlegt. Die 60 Mitarbeiter des KSI organisieren Erwachsenenbildung und stellen Tagungskapazitäten zur Verfügung. Die Kurse der Akademie befassen sich auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre mit Schwerpunkten wie Arbeitnehmerbildung, Medienkompetenz, Zukunftsfragen und Frauenbildung. Darüber hinaus gibt es ein weit gefächertes kulturelles Angebot. Das KSI wurde 1947 von Josef Kardinal Frings als „Stätte der Erwachsenenweiterbildung auf Grundlage der katholischen Soziallehre“ gegründet. Das bisherige Gebäude des KSI in Bad Honnef soll verkauft werden. Damit das KSI in diesem Gebäude seinem Auftrag gerecht werden kann, muss baulich noch viel getan werden. Erste Kostenschätzungen gehen von mindestens 40 Mio. Euro aus.

Das Edith-Stein-Exerzitienhaus bleibt auf dem Michaelsberg in seinem angestammten Gebäudeteil bestehen. Zusammen mit der Ordensgemeinschaft und der Akademie entsteht damit ein Dreiklang christlich-spirituellen Lebens.

Im November 2010 hatten die Benediktiner auf dem Michaelsberg bekanntgegeben, dass sie die Abtei verlassen. Als Grund gaben sie in einer Erklärung an, der Gemeinschaft von zuletzt 13 Ordensangehörigen fehle es „in jeder Hinsicht an Substanz, aus der ein neuer Anfang benediktinischer Prägung erwachsen könnte“. Am 19. Juni 2011 feierte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner eine letzte Pontifikalvesper in der Abteikirche. Damit ging auf dem Michaelsberg eine fast 950-jährige Geschichte benediktinischen Ordenslebens zu Ende. Die Abtei Michaelsberg war im Jahr 1064 durch Erzbischof Anno von Köln gegründet worden; seine Gebeine werden im Annoschrein in der Abteikirche aufbewahrt. 1803 unter Napoleon aufgehoben, enteignet und in der Folge als Kaserne, Sanatorium und Zuchthaus genutzt, wurde das Kloster 1914 von niederländischen Benediktinermönchen aus Merkelbeek wiederbesiedelt. Bei einem Bombenangriff 1944 wurde die Abtei fast völlig zerstört und nach der Rückkehr der Mönche im Jahr darauf wieder aufgebaut. 1997 errichtete das Erzbistum Köln im Nordflügel der Klosteranlage das Edith-Stein-Exerzitienhaus.

Lesermeinungen

2 Kommentare zu “Unbeschuhte Karmeliten übernehmen Kloster Michaelsberg”

  1. Emmanuel M. Identicon
    Emmanuel M.
    24. Januar 2012 16:05

    Schade, dass es nicht wieder Benediktiner ,z.B. aus Frankreich, geworden sind. Dort gibt es gute Klöster mit reichlich Nachwuchs. Der Karmei bringt nun eine völlig andere Spiritualität an diesen urbenediktinischen Ort. Und gregorianischer Choral wird sicher auch nichtmehr gesungen werden.
    Das nächste „Aus“ ist wohl schon vorprogrammiert.

  2. Cistotante Identicon
    Cistotante
    29. Januar 2012 16:09

    Der OCD wird am Michaelsberg nur einen“ geistlichen Hausmeisterposten“ übernehmen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser den Rückzug antritt.
    Der aktuellen klösterlichen Situation im deutschsprachigen Raum kann man nur die Überschrift geben „Mit brennender Sorge“.

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