16. Juni 2014

Pastoralinstitute in Ozeanien und Afrika

Das Steyler Missionswissenschaftliche Institut bringt in seiner Reihe Studia Missiologici Societatis Verbi Divini die Arbeit des an der Päpstlichen Universität Urbaniana unterrichtenden Steyler Missionswissenschaftlers und Pastoraltheologen Paul B. Steffen als Nr. 102 heraus.

Paul B. Steffen in Rom

Paul B. Steffen SVD in Rom

Das in englischer Sprache erschienene Buch untersucht die Gründung und den Werdegang von drei Pastoralinstituten: des Melanesischen Institutes in Goroka, Papua Neuguinea in Ozeanien, des Pastoralinstitutes der ostafrikanischen Bischofskonferenz in Eldoret in Kenya und des Pastoralinstitutes Lumko der südafrikanischen Bischofskonferenz.

Im ersten Kapitel wird der Frage nach der Notwendigkeit solcher Ausbildungsinstitute im Hinblick auf die noch jungen Ortskirchen nachgegangen. Die Missionare waren zu allen Zeiten auf eine qualifizierte Einführung in die Sprachen, das Brauchtum und die religiösen Vorstellungen und Praktiken angewiesen. Jedoch fehlte es oft an einer gediegenen Einführung in den kulturellen, religiösen und sprachlichen Kontext des anderen Landes, in das sie als Missionare gesandt waren. So gab es immer wieder Anstrengungen diesen Mangel zu beheben.

Seit Beginn des II. Vatikanischen Konzils wurde diese Notwendigkeit einer guten Ausbildung wieder aufgegriffen und in dem Konzilsdekret über die missionarische Aktivität der Kirche Ad Gentes auch eingefordert.

Zunächst wird im zweiten Kapitel das Melanesische Institut mit seinen Aktivitäten und seinem spezifischen Beitrag zur Inkulturation des Evangeliums in Ozeanien behandelt.

Das dritte Kapitel hilft mit seiner Darstellung der Entstehung und Entfaltung des Pastoralinstitutes Gaba der ostafrikanischen Bischofskonferenz „Amecea“ den spezifischen Beitrag des Institutes deutlich zu machen. Dieser besteht hauptsächlich in der Wertschätzung der christlichen Gemeinschaften, die zur pastoralen Priorität erklärt wurden. Zudem gelang es im Laufe der Zeit, eine neue holistische Ausbildungsmethode im Kontext der Ausbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten zu entwickeln.
Das vierte Kapitel behandelt das 1962 von Bischof Johann B. Rosenthal SAC gegründete südafrikanische Lumko-Institut. Lumko entwickelte eine hervorragende Sprachabteilung, die die neuen Missionare in die großen südafrikanischen Sprachen einführte. Eine missiologische Abteilung spezialisierte sich mit Hilfe von Feldforschungen auf das Studium der südafrikanischen Völker und deren Kulturen. Eine eigene Musikabteilung beschäftigte sich mit der bisher noch nicht vorhandenen Förderung einer eigenen südafrikanischen Kirchenmusik und leistete darin wirkliche Pionierarbeit. Als die zwei aus dem Bistum Regensburg stammenden seit 1956 bzw. 1957 in Südafrika tätigen Fidei Donum Priester an das Lumko-Institut kamen, erlebte das Institut eine grundsätzliche Neuausrichtung. Lumko entwickelte nun eine Reihe von workshops zur Ausbildung von sog. lay ministries, d.h. von ehrenamtlichen Mitarbeitern in den pastoralen Aufgaben der Pfarrgemeinde. Hieraus entstand, die mittlerweile weltweit verbreitete, Training for Community Ministries Reihe. Die sich aus dieser Arbeit herausgebildete sog. Lumko-Methode zielt auf den Aufbau von Kleinen christlichen Gemeinschaften in den Pfarrgemeinden, die so zu einer community of communities, d.h. Gemeinde von Gemeinschaften werden soll. Das Lumko-Institut wollte so die communio Ekklesiologie, so wie sie die Konzilsväter im 2. Vatikanischen Konzil entwickelt hatten, in die Praxis einer katholischen Pfarrgemeinde umsetzen, die auf dem Prinzip der Mitverantwortung aller Gemeindemitglieder aufbaut.

Das abschließende fünfte Kapitel behandelt die Ausbreitung der Lumko-Methode nach Asien und Europa. Oswald Hirmer und Fritz Lobinger waren an der Ausbreitung der Lumko-Methode nach Asien und Europa wesentlich beteiligt. Indem die asiatischen Bischöfe auf ihrer Generalversammlung 1990 in Bandung, Indonesien sich für die Übernahme der Lumko-Methode als Ausbildungsmodel für die lay ministries und für die Kleinen christlichen Gemeinschaften als pastorale Priorität ausgesprochen hatten, hat sich dieses unter dem Namen Asian Integral Pastoral Approach (AsIPA) in ganz Asien bzw. unter dem Namen Developing Indian Integral Pastoral Approach (DIIPA) in ganz Indien ausgebreitet. Missio Aachen und Missio München hatten schon immer den von Lobinger und Hirmer entwickelten Pastoralansatz im deutschen Sprachraum mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gefördert. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sich in Deutschland, aber auch in der Schweiz katholische Christen zusammengeschlossen haben um die AsIPA-Methode näher kennenzulernen und sie in ihren Kontexten auch umzusetzen.

Das Vorwort zum Buch hat der nordamerikanische Theologe William Burrows geschrieben. Darin betont Burrows die außerordentliche Rolle die die drei von Steffen beschriebenen Pastoralinstitute für die Umsetzung der Vision der Konzilsväter in der Weltkirche gespielt haben.

Paul B. Steffen SVD: Centres of Formation and Evangelizing Ministry. Pastoral Institutes in Oceania and Africa. Studia Missiologici Societatis Verbi Divini 102, Franz Schmitt Verlag: Siegburg, Germany 2014, xx + 245 pp., ISBN 978-3-87710-541-2

Lesermeinungen

Ein Kommentar zu “Pastoralinstitute in Ozeanien und Afrika”

  1. Ludger Müller
    17. Juni 2014 16:35

    Kann das Buch von P. Paul B. Steffen SVD nur herzlich empfehlen. Das Thema ist interessant und gibt einen guten Einblick in die Weltkirche und Ihr pastorales Handeln im Kontext der Mission. Paul Steffen hat umfangreiches Quellenmaterial gesammelt und gute Literatur verwandt. Also empfehlenswert.

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