Acker, Amandus


Amandus Acker CSSp (* 24. April 1848 Weyersheim, Unterelsass; † 30. März 1932 Knechtsteden), Spiritaner; Missions- und Kolonialpionier; Wiederbegründer der deutschen Spiritanerprovinz.

Acker erkämpfte die Rückkehr der im Kulturkampf als ›jesuitenverwandt‹ ausgewiesenen Spiritaner, Redemptoristen und Lazaristen/Vinzentiner nach Deutschland und war einer der populärsten deutschen Missionare seiner Zeit.

Leben

Amandus Acker CSSp

Amandus Acker CSSp

Amandus Acker war das Kind einer Bauernfamilie, wurde aber, weil er in jungen Jahren die Eltern verloren hatte, im Hause eines verwandten Arztes erzogen. Wegen seines Sprachfehlers wollte ihn sein Pflegevater nicht studieren lassen. Dessen Schwester aber ebnete Acker den Weg in eine Missionsschule der Spiritaner in Frankreich.

Trotz seines Sprachfehlers absolvierte Acker sein Theologiestudium in Langonet, trat nach der Priesterweihe in die Missionsgesellschaft vom Hl. Geist ein (15. Aug. 1875) und wurde noch im selben Jahr der Sansibarmission zugeteilt.

Er begann als Waisenvater im Heim für die freigekauften Sklavenkinder, leitete danach die Mission auf der Insel und verwaltete zugleich die Prokura für die immer zahlreicher werdenden Missionen auf dem ostafrikanischen Festland. Während der 19 Jahre auf Sansibar entwickelte er viele gute Beziehungen zu in- und ausländischen Kolonialbeamten und -politikern, die sich bei seiner späteren Aufbauarbeit in Deutschland als sehr nützlich erweisen sollten.

1893 wurde P. Amandus in einen Streit um die Goanesen auf Sansibar verwickelt, der sich zu politischen Spannungen zwischen Frankreich und Portugal auswuchs. Acker musste deshalb nach Europa zurückkehren. Dort erhielt er die Aufgabe, die im Kulturkampf vertriebenen Spiritaner nach Deutschland zurückzuführen. Vom Generalsuperior seines Ordens und vom Kardinalpräfekten der Missionskongregation wurde er zum Oberen der deutschen Ordensprovinz bestellt, die vorerst nur ein einziges Mitglied hatte: ihn selbst.

Mit Hilfe des Kölner Erzbischofs Krementz, der Erlaubnis der preußischen Regierung und finanzieller Unterstützung durch den Afrikaverein erwarb er 1895 die ausgebrannte Ruine der ehemaligen Prämonstratenserabtei Knechtsteden. Bis 1908 wurde sie unter seiner Leitung wiederaufgebaut. 1896 errichtete Acker dort eine Missionsschule, 1898 ein Brüdernoviziat und 1905 ein Priesterseminar. Dieser ersten Niederlassung folgten bis 1914 noch vier weitere Häuser: die Missionsschulen in Zabern-Elsaß (1900) und Broich bei Aachen (1905), das Klerikernoviziat in Neuscheuern-Lothringen (1904) und ein Erholungsheim in Heimbach in der Eifel (1914).

Acker leitete die deutsche Ordensprovinz bis 1919. Mit außerordentlichem missionarischen Eifer warb er für das Missionswerk und den Kolonialgedanken, vertrat sein Anliegen auf der Kanzel, auf ausgedehnten Vortragsreisen in Deutschland und Österreich und auf Katholikentagen (Regensburg 1904, Düsseldorf 1908). Er war Mitbegründer der »Zeitschrift für Missionswissenschaft«, die schon nach zwei Jahren 7000 Abonnenten hatte. In Straßburg (1905) war Acker Präsident der Missionsversammlung. Bis 1917 wurde P. Amandus immer wieder zum Vorsitzenden der 1910 gegründeten Superiorenkonferenz der missionierenden Orden und Kongregationen in Deutschland gewählt.

Mit Energie und Geschick vertrat er den katholischen Standpunkt in den Fragen der Sklaverei, der Zwangsarbeit und der Rassenmischehe in den Schutzgebieten. Er forderte die Abschaffung der Sklaverei und Polygamie sowie die Errichtung von Schulen und Krankenhäusern für die Kolonien. Während des Weltkrieges setzte er sich mit großer Entschiedenheit für die in der Türkei verfolgten Armenier ein. Sein Einsatz für die deutsche Kolonialpolitik brachte ihm das Wohlwollen des deutschen Kaisers, dem er dreimal begegnete, den roten Adlerorden und den Kronenorden ein. Sein Versuch, Papst Pius X., den er 1908 während einer Wallfahrt nach Rom aufsuchte, missionarisch zu begeistern und zur Herausgabe einer Missionsenzyklika zu bewegen, blieb erfolglos.

Die letzten Lebensjahre verlebte Acker in Knechtsteden, wo er 75-jährig – fast blind und durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt – am Karfreitag 1923 starb.

Zu seinen Ehren wurde 1931 eine Glocke der Knechtstedener Klosterkirche »Amandus« genannt.

Werke
  • Die Aufgabe der katholischen Mission in den Kolonien. In: Jahrbuch über die deutschen Kolonien 1909
  • Die soziale und wirtschaftliche Tätigkeit der katholischen Mission. In: Jahrbuch über die deutschen Kolonien 1910
  • Der Islam und die Kolonisierung Afrikas. In: Jahrbuch über die deutschen Kolonien 1911
  • Zur Frage der Mischrassenehen in den deutschen Schutzgebieten. In: Deutsche Kolonialzeitung, 30. Jahrgang (1913), S. 90

Literatur
  • BBKL I (1990) Spalte 19
  • Lambert Dohmen CSSp: “Acker, Amandus.“ In: NDB I (1953) S. 34–35
  • Joseph Rath: “Acker, Amandus.“ In: LThK3 I (2006) Sp. 117
  • Peter Büffel: “P. Amandus Acker, der Missions- und Kolonialpionier.“ (1923)
  • Ernst Bismarck: “Le P. Amandus Acker.“ – Knechtsteden, 1925

Weblinks

  • http://www.spiritaner.de
  • http://www.spiritaner.de/knechtsteden/vacker.html

Letzte Änderung: 1. August 2009 

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