Balthasar, Hans Urs von


Hans Urs von Balthasar SJ (* 12. Aug. 1905 Luzern; † 26. Juni 1988 Basel), Schweizer Jesuit und Theologe, erwählter Kardinal der katholischen Kirche.

Leben

Hans Urs von Balthasar besuchte 1917–23 das Gymnasium der Benediktiner in Engelberg (4 Jahre) und in der Stella Matutina der Jesuiten in Feldkirch (2 1/2 Jahre). 1924 legte er in Zürich die Eidgenössische Matura (Fremdenabitur) ab.

Von 1924 an studierte er in Zürich, Berlin und Wien insb. Germanistik und Philosophie. 1928 promovierte er in Zürich mit einer Geschichte des eschatologischen Problems in der modernen deutschen Literatur. 1929 trat er ins Noviziat der Gesellschaft Jesu in Tisis ein. Nach dem Noviziat war er von 1931 bis 1932 in Pullach tätig. Von 1932 bis 1936 studierte er in Lyon-Fourvière katholische Theologie. Das Tertiat schloss er in Pullach an seine Priesterweihe in München 1936 an. Von 1937 bis 1939 wirkte er als Redakteur bei der noch konservativ geführten Ordenszeitschrift Stimmen der Zeit. Von Balthasar war ab 1940 in Basel als Studenten- und Akademikerseelsorger tätig.

Zusammen mit Adrienne von Speyr gründete er am 8. Dezember 1944 das Säkularinstitut der Johannesgemeinschaft. In Zürich und Basel war er danach als Schriftsteller und Verlagsleiter des Johannesverlags Einsiedeln tätig. Im Jahr 1950 trat er aus dem Jesuitenorden aus, weil er nicht für die Aufgaben des von ihm gegründeten Instituts freigestellt worden war. Der Konflikt mit dem damals elitär konservativen Orden ließ Balthasar in den 1950er Jahren als theologischen Außenseiter erscheinen. Zeitweilig war er sogar Priester ohne eine kirchenrechtliche Zuordnung (Inkardination), bis ihn das Bistum Chur 1956 aufnahm.

Balthasar wurde von Papst Johannes Paul II. 1988 zum Kardinal ernannt, starb jedoch zwei Tage vor dem Konsistorium (der offiziellen Erhebung zum Kardinal).

Daten

* 12. Aug. 1905 (Luzern); † 26. Juni 1988 (Basel); Vest.: 31. Okt. 1929; Sac.: 1936.

Ausz.: Ehrendoktor der Universitäten Edinburgh und Münster (1965) und Fribourg/Schweiz (1967), Guardini-Preis der Katholischen Akademie in Bayern (1971), Gottfried-Keller-Preis der Martin-Bodmer-Stiftung, Zürich (1975), Ehrendoktorat der Katholischen Universität von Amerika, Washington D.C. (1980), Premio internazionale Paolo VI, Rom (1984), Wolfgang-Amadeus-Mozart-Preis, Innsbruck (1987).

Bedeutung

Balthasar zählt er zu den bedeutendsten katholisch-theologischen Autoren des 20. Jahrhunderts, obwohl er nie im wissenschaftlichen Betrieb einer Universität tätig war.

Er ist auch ein Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils, zu dem er aber »als einziger unter den großen mitteleuropäischen Theologen« (Guerriero, S. 11), mutmaßlich wegen des noch frischen Konflikts mit dem Jesuitenorden, nicht als Berater eingeladen wurde. Papst Paul VI. berief ihn jedoch später in die nach dem Konzil gegründete Internationale Theologenkommission, die der Kongregation für die Glaubenslehre zugeordnet ist.

Seine Theologie war geprägt durch die Begegnungen mit jesuitischen Philosophen und Theologen wie Erich Przywara, Jean Daniélou und Henri de Lubac. Die Werke von Lubac übertrug er teilweise ins Deutsche.

Durch seine Vortragstätigkeit und in zahlreichen Veröffentlichungen unternahm er es, insbesondere das patristische Erbe neu für die Theologie zu erschließen.

Balthasar legte ein umfangreiches theologisches Werk vor, das mittlerweile zu den einflußreichsten systematischen Entwürfen des 20. Jahrhunderts gezählt werden darf und in der theologischen Forschung der Gegenwart zahlreiche Interpreten gefunden hat. Obwohl mutmaßlich einer der am umfangreichsten gebildeten theologischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts hielt sich Balthasar aber weiterhin von einer Professur fern. Sein Werk als Gründer von Säkularinstituten blieb, entgegen eigener Erwartung, im Vergleich zu seiner theologischen Akzeptanz eher zweitrangig.

Literatur

  • Elio Guerriero: Hans Urs von Balthasar. Eine Monographie. Einsiedeln-Freiburg 1993.
  • Hans Urs von Balthasar, Bibliographie 1925-2005, neu bearbeitet und ergänzt von Cornelia Capol und Claudia Müller, Einsiedeln–Freiburg 2005.
  • Walter Kasper (Hrsg.?): Logik der Liebe und Herrlichkeit Gottes: Hans Urs von Balthasar im Gespräch, in: Festgabe für Karl Kardinal Lehmann zum 70. Geburtstag, Ostfildern 2006.


F.N. Otterbeck

Letzte Änderung: 5. Februar 2009 

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Kommentare

2 Kommentare zu “Balthasar, Hans Urs von”

  1. Niklaus Supka-Bieber Identicon Icon
    Niklaus Supka-Bieber
    22. Juli 2009 10:10

    Hans Urs von Balthasar ist im Jahre 1988 in Basel gestorben.
    Wo ist sein Grabmal? Ist es in Basel?

    Besten Dank

  2. Paul Huber Identicon Icon
    Paul Huber
    20. August 2009 12:42

    Meines Wissens ist Hans Urs Kard. v. Balthasar in Luzern begraben. Der Grabstein nennt seinen Namen einschließlich des Kardinal-Titels.

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