Bertone, Tarcisio


Tarcisio Bertone SDB (* 1934), italienischer Salesianer Don Boscos; Hochschullehrer; emeritierter Erzbischof von Genua; Kardinalstaatssekretär.

Leben
Kardinal Tarcisio Bertone SDB (Foto: Paolo Benvenuto)

Kardinal Tarcisio Bertone SDB (Foto: Paolo Benvenuto)

Bertone wurde 1934 als fünftes der acht Kinder von Pietro Bertone und Pierina Borio in Romano Canavese, Bistum Ivrea, Piemont, geboren. Nach dem Abschluss der weiterführenden Schule im Oratorium der Salesianer Don Boscos in Valdocco (Turin) trat er in das Noviziat in Monte Oliveto (Pinerolo) ein und legte 1950 seine ersten Ordensgelübde ab. 1960 wurde er durch den damaligen Bischof von Ivrea, Albino Mensa, zum Priester geweiht.

Hochschulkarriere

Nachdem er an der Theologischen Fakultät der Salesianer in Turin mit einer Arbeit zum Thema »Toleranz und Religionsfreiheit« ein Lizentiat erworben hatte, studierte er Kirchenrecht an der päpstlichen Hochschule Athenaeum der Salesianer Don Boscos in Rom und wurde mit einer Arbeit zum Thema Die Leitung der Kirche im Denken Papst Benedikts XIV. (1740–1758) promoviert. 1967 wurde er auf den Lehrstuhl für Spezielle Moraltheologie an der selben Hochschule berufen, die 1973 zur Päpstlichen Salesianeruniversität (UPS) wurde. 1978 wurde er zusätzlich als Dozent für Staatskirchenrecht an das »Institutum Utriusque Iuris« der Lateranuniversität berufen.

Von 1979 bis 1985 war Bertone Dekan der kirchenrechtlichen Fakultät, 1987 wurde er Vizerektor und am 1. Juni 1989 Rektor der Salesianeruniversität. Er arbeitete außerdem an der Neufassung des kirchlichen Gesetzbuches »Codex Iuris Canonici« (CIC) mit und setzte sich intensiv für die Rezeption des neuen Kodex in den Ortskirchen ein. Im Auftrag der Italienischen Bischofskonferenz leitete er die Arbeitsgruppe zur Übersetzung des Gesetzbuches ins Italienische. Seit den 80er Jahren war er als Berater für verschiedene Behörden des Heiligen Stuhls, insbesondere für die Glaubenskongregation tätig.

Bischof

Zwei Jahre später, am 4. Juni 1991, ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof-Metropoliten von Vercelli. Die Bischofsweihe erfolgte am 1. August durch seinen Vorgänger Erzbischof Albino Mensa, der in den Ruhestand trat.

Am 14. Juni 1995 wurde Bertone Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre und war somit nach dem Präfekten, Josef Kardinal Ratzinger, der »zweite Mann« dieser Behörde.

Am 10. Dezember 2002 zum Erzbischof von Genua ernannt, trat er das Amt am 2. Februar 2003 an und wurde im Konsistorium vom 21. Oktober 2003 mit der Titelkirche »S. Maria Auxiliatrice in via Tuscolana« zum Kardinalpriester erhoben und im November für fünf Jahre zum Mitglied der Glaubens- und der Kleruskongregation ernannt.

Kardinal

Am 15. September 2006 folgte er Angelo Sodano als Kardinalstaatssekretär.

Der Fußballfan Bertone – im Januar 2004 kommentierte er sogar ein Spiel der beiden Mannschaften »Sampdoria Genua« und »Juventus Turin« im genueser Lokalradio – gilt als Verfechter des Lebensschutzes und geschickter Diplomat und wurde auch in der Vergangenheit schon öfter mit diplomatischen Missionen betraut. Er hatte u.a. die Rückkehr des abtrünnigen Erzbischofs Emmanuel Milingo nach Rom vorbereitet und die Veröffentlichung des sog. »Dritten Teils« des Geheimnisses von Fatima besorgt. Als Leiter des Staatssekretariats des Heiligen Stuhls ist Bertone der höchste politische und diplomatische Vertreter des Papstes und bekleidet damit das bisher höchste Amt, das je ein Salesianer Don Boscos in der Weltkirche erhielt.

Am 4. April 2007 übertrug Papst Benedikt XVI. Bertone außerdem das Amt des Kardinalkämmerers (Camerlengo). Am 10. Mai 2008 ernannte er ihn zum Kardinalbischof von Frascati.

Daten* 2. Dez. 1934 (Romano Canavese, Pr. Turin, Italien); V.: Pietro Bertone; M.: Pierina Borio; Prof.: 3. Dez. 1950; Sac.: 1. Juli 1960 (Bf. Albino Mensa von Ivrea); Archiep. Vercellensis: nom. 4. Juni 1991, cons. 1. Aug. 1991 (Ebf. Albino Mensa von Vercelli); Archiep. Ianuensis: nom. 10. Dez 2002, inst. 2. Feb. 2003; Kard.: 21. Okt. 2003.

Werke
  • Vita cristiana secondo giustizia: trattato di teologia morale. – Rom: Pontificio Ateneo Salesiano, 1968
    (mit Leclerc, G.; Milanesi, G.C. Polizzi V. und Quarello E.) Discussione sull’aborto – Quaderni di «Salesianum» 1, Rom: LAS, 1975
  • II governo della Chiesa nel pensiero di Benedetto XIV (1740-1758) – (Biblioteca di Scienze Religiose 21) Rom: LAS, 1977 (Dissertation)
  • Il rapporto giuridico tra Chiesa e Comunità politica. In: Gruppo Iitaliano Docenti Di Diritto Canonico (Hrsg.) Il Diritto nel mistero della Chiesa, vol. IV: Diritto Patrimoniale – Tutela della comunione e diritti – Chiesa e Comunità politica «Quaderni di Apollinanis» 4, Rom: Libreria Editrice della Pontificia Università Lateranense, 1980
  • (mit Severgnini A. (Hrsg.): La famiglia e i suoi diritti nella comunità civile e religiosa. Atti del VI Colloquio Giuridico, (Roma, 24-26 aprile 1986) – Rom: Libreria Editrice Vaticana – Libreria Editrice Lateranense 1987

Letzte Änderung: 11. November 2008 

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