Etienne, Johanna


Johanna Etienne, Taufname Maria Magdalena, (1805–1881), Gründerin und erste Generaloberin der Neusser Augustinerinnen.

Leben

Johanna EtienneJohanna Etienne wurde am 1. April 1805 als Tochter von Mathias Etienne und seiner Frau Anna Maria geb. Linnarz, in Grimlinghausen, einem Vorort der Stadt Neuss, geboren. Getauft wurde sie auf den Namen Maria Magdalena. 1822 trat sie in das Elisabethkloster der Düsseldorfer Cellitinnen ein und empfing als Schwester Johanna fünf Jahre später das Ordenskleid. Nach Ablegung der ewigen Gelübde 1830, übernahm sie organisatorische Aufgaben und erwies sich hierbei als überaus geschickt. Unter anderem führte sie die Verhandlungen zur Übernahme des Düsseldorfer Karmelitinnenklosters, ein Jahr später wurde dort ein Krankenhaus eröffnet.

Da durch die Säkularisation viele Ordensgemeinschaften aufgelöst worden waren und in den rheinischen Städten ein Mangel an Pflegekräften herrschte, baten Vertreter der Stadt Neuss die Düsseldorf Cellitinnen um Schwestern für den Dienst im dortigen Krankenhaus. 1844 wurde Schwester Johanna gemeinsam mit einer Mitschwester und einigen Aspirantinnen von ihrer Oberin nach Neuss entsandt. Einige Zeit später, bat die Hospizverwaltung um die Überlassung der Schwestern für die Neugründung einer klösterlichen Gemeinschaft. Das Mutterhaus stimmte diesem Antrag zu, verlangte jedoch von den Schwestern einen förmlichen Verzicht auf jeden Rechtsanspruch. Johannas Mitschwester war nicht bereit, diesen Verzicht zu leisten und so ging nur Johanna auf die Bedingungen ein, die ihr 1846 gestellt wurden. Sie löste die Bindung an das Mutterhaus und wurde Gründerin der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern nach der Regel des heiligen Augustinus. Nach langwierigen Verhandlungen, die sie zum größten Teil persönlich mit der preußischen Behörden, den Vertretern der Stadt und dem Kölner Erzbischof von Geißel führte, erhielt die Genossenschaft 1852 schließlich die staatliche Anerkennung.

Johanna widmete sich neben den pflegerischen Aufgaben von nun verstärkt dem inneren Ausbau der Gemeinschaft. Als 1854 das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet wurde, stellte sie die Genossenschaft unter den Schutz der Immaculata. Die Schwestern erhielten den Beinamen Maria. Besonderen Wert legte Johanna auf das Gelübde der Armut und auf die fachliche Ausbildung der Schwestern. Sie achtete darauf, dass Arbeit und Gebet als tägliche Einheit eingeübt wurden. Johannas Führung ließ die Neusser Augustinerinnen im Gegensatz zu anderen Ordensgemeinschaften rasch anwachsen. Bereits zu Lebzeiten gründete sie zahlreiche Filialen in Neuss und Umgebung. Eine der ältesten Einrichtungen ist die einstige Pflegeanstalt für Geistes- und Gemütskranke weiblichen Geschlechts, die dem Hl. Josef geweiht wurde und 2008 ihren 150sten Geburtstag feierte.

Ende der 1860er Jahre verzichtete Johanna Etienne auf ihr Amt als Generaloberin. Das klösterliche Vermögen, das überwiegend auf ihren Namen errichtet worden war, entzog sie durch ein Testament dem staatlichen Zugriff. Die Genossenschaft konnte von nun an den Besitz allein und selbstständig verwalten.

Nach dem Krieg und der Gründung des Deutschen Reiches durch Otto von Bismarck veränderte sich das politische und gesellschaftliche Klima zu Ungunsten der katholischen Kirche. Auch in Neuss spürte man die Auswirkungen des so genannten Kulturkampfes. Es ist wahrscheinlich, dass Kaiserin Augusta die Gemeinschaft während dieser Zeit unterstützte. Augusta kannte einige jener Schwestern, die sowohl 1866 als auch 1870/71 Pflegedienste in den Frontlazaretten verrichtet hatten. Augusta besuchte die Einrichtungen der Gemeinschaft in Neuss und galt, sehr zum Missbehagen Bismarcks, allgemein als Förderin der katholischen Kirche. Als sich Ende der 70er Jahren die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche entspannte, war Mutter Johanna fast 75 Jahre alt. 1880 feierte sie ihr goldenes Ordensjubiläum und starb am 28. März 1881 in Neuss. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, die ihr und ihren Nachfolgerinnen auch heute noch tief verbunden ist, wurde sie in Neuss beigesetzt.

Ein schriftlicher Nachlass oder Bücher Johanna Etiennes haben sich nicht erhalten. In der fünfbändigen Klosterchronik, im hauseigenen Archiv der Augustinerinnen in Neuss und im Historischen Archiv des Erzbistums Köln finden sich schriftliche Unterlagen.

Georg Arnold

Weblinks

Literatur

  • Karl Kreiner, Geschichte der Neusser Augustinerinnen, Festschrift zur Hundertjahrfeier des St. Josef Krankenhauses, Sonderdruck des Klosters Immaculata, Neuss 1958.
  • Augustinerinnen Neuss (Hrsg.); Mutter Johanna Etienne, Herausgegeben aus Anlass des 100. Todestages von Mutter Johanna Etienne, Sonderdruck des Klosters Immaculata, Neuss 1981.
  • Johanna Etienne – Ordensgründerin – Frau an der Seite der Armen, Festschrift aus Anlass des 200. Geburtstages der Gründerin. Geschrieben von Georg Arnold und Schw. M. Angelina Claeßen, Sonderdruck des Klosters Immaculata, Neuss 2005.
  • Georg Arnold; Johanna Etienne (1805-1881), Ordengründerin, Die neue Ordnung, Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, 59. Jahrgang, Heft 6, Dezember 2005, S. 441-447.
  • Ders., Johanna Etienne (1805-1881), Ordensfrau und Gründerin der Neusser Augustinerinnen, Saarbrücken 2007.

Letzte Änderung: 29. April 2012 

Kommentare

Was sagen Sie dazu?