Haselmayr, Theresia


Theresia Haselmayr OSF (1808–1878) leitete als »Frau Meisterin« – so der aus dem Mittelalter überkommene Name der Oberin der Frauengemeinschaft – 42 Jahre lang die Kongregation der Dillinger Franziskanerinnen. Ihr verdankt der Orden die Wiederbelebung nach der fast vollständigen Auflösung im Zuge der Säkularisation.

Als Theresia Haselmayr 1836 Meisterin wurde, war das Kloster kaum lebensfähig. Mehr als vier Jahrzehnte leitete sie die Geschicke der Gemeinschaft, bescheiden aber hochgeachtet. Sie führte den Orden der Dillinger Franziskanerinnen nach der harten Zeit der Säkularisation zu neuer Blüte.

Leben

Clara Haselmayr wurde am 24. Januar 1808 als Tochter des Pflasterers Franz Xaver Anton Haselmayr und seiner zweiten Ehefrau Katharina Kaiser in Dillingen an der Donau geboren. Dort bestand seit dem 13. Jahrhundert eine der ältesten Schwesterngemeinschaften innerhalb des Franziskanerordens, die noch zu Lebzeiten der hl. Klara gegründet worden war. Nach der Aufhebung des Klosters 1803 hatten fünf Frauen fast ein Vierteljahrhundert das gemeinsame Gebetsleben aufrechterhalten, bis sie 1827 von König Ludwig I. von Bayern die Erlaubnis erwirkten, wieder Novizinnen aufnehmen zu dürfen – mit der Auflage, dass »nebst der von den Franziskanerinnen zu Dillingen bereits seit dem Jahre 1774 gehaltenen öffentlichen Mädchenschule […] womöglich in diesem Kloster auch eine Erziehungsanstalt für Töchter aus der Stadt Dillingen und der Umgebung derselben errichtet werden« solle.

Eine der ersten Postulantinnen, die 1827 um den Eintritt in die wiederzugelassene Kongregation baten, war Clara Haselmayr. Nachdem sie bei den »Englischen Fräulein« in Günzburg zur Lehrerin ausgebildet worden war und die im königlichen Restitutionsreskript vom 25. April 1827 vorgeschriebene Lehramtsprüfung zur »Elementarlehrerin der Werktagsschule« abgelegt hatte, erhielt sie am 27. Oktober 1828 von der Meisterin den Aufnahmering und wurde am 22. Juni 1829 in einem feierlichen Akt in der Dillinger Stadtpfarrkirche als eine von zwei Kandidatinnen endgültig in das Kloster aufgenommen. Die andere Kandidatin war Anna Wille. Zu Ehren des Königs und seiner Gemahlin Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792–1854) wurden die beiden Kandidatinnen, die zunächst nur einfache Gelübde für jeweils drei Jahre ablegen durften, »Maria Ludovika« und »Maria Theresia« genannt.

In den folgenden Jahren unterrichtete Sr. M. Theresia in verschiedenen Klassen der Werktags- und der Feiertagsschule. Als die Oberin der kleinen Gemeinschaft am 13. November 1836 starb, wurde M. Theresia am 28. Januar 1836 von vier der sieben wahlberechtigten Ordensfrauen – im Alter von nur 28 Jahren – zur neuen »Meisterin« gewählt. Mit der Ablegung der lebenslänglichen Gelübde musste sie allerdings noch bis zu ihrem 33. Geburtstag warten, das war der 24. Januar 1841.

Unter der Leitung der neuen Meisterin ging es mit der Kongregation stetig bergauf. Die leere Kasse wurde durch den Verkauf selbstgefertigter Klosterwaren etwas aufgefüllt und so konnten schon 1837 ein Pensionat und eine »Kleinkinder-Bewahranstalt« in der ehemaligen Klosterapotheke errichtet werden. Ihnen folgten ab 1843 – zum ersten Mal in der 600-jährigen Klostergeschichte – zahlreiche Ordensfilialen und Einrichtungen der Bildung und Erziehung, darunter mehrere Einrichtungen des Regens-Wagner-Werkes in Zusammenarbeit mit dem geistlichen Direktor der Schwestern, Johann Evangelist Wagner.

In den folgenden Jahrzehnten, besonders nachdem die Aufhebung des Verbots von Ordensneugründungen im Zuge der Revolution von 1848 zu einem neuen »Gründungsfrühling«, v.a. für sozial-karitative Frauengemeinschaften, geführt hatte, breitete sich die Kongregation mit ihren Einrichtungen in ganz Süddeutschland aus.

Als Theresia Haselmayr am 8. Januar 1878 in Dillingen starb, zählte der Orden mehrere hundert Schwestern, die in den verschiedensten sozialen Bereichen tätig waren. Aus den 18 während Theresia Haselmayers Leitung gegündeten Filialen gingen im Laufe der Zeit vier selbständige Kongregationen hervor: Oggelsbeuren (später nach Sießen verlegt), Au am Inn, Bonlanden und Heiligenbronn.

Heute unterhalten die Dillinger Franziskanerinnen neben den drei deutschen Provinzen Niederlassungen auch in den USA, Brasilien und Indien.

Literatur

  • Manfred Berger: Haselmayr, Theresia. In: BBKL XX (2002) Spalten 715–719
  • Dr. M. Lioba Schreyer OSF: Die Geschichte der Dillinger Franziskanerinnen. – Dillingen, 1980

Gerd Gessinger

Letzte Änderung: 25. September 2008 

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