Jeningen, Philipp


Philipp Jeningen SJ (1642–1704), deutscher Jesuit, Mystiker und Volksmissionar; bekannt als »Apostel des Rieses«.

Leben

Philipp Jeningen SJ, Ausschnitt aus einem Bild von Emil Boehm

Philipp Jeningen SJ, Ausschnitt aus einem Bild von Emil Boehm

Jeningen studierte nach seiner Schulzeit am Jesuitenkolleg Eichstätt (1651–1659) 1659 bis 1661 in Ingolstadt Philosophie und erwarb den akademischen Grad eines Magister Artium. Seit 1654 schon Mitglied der Marianischen Kongregation trat er, nachdem der Vater seinen anfänglichen Widerstand aufgegeben hatte, 1663 in Landsberg am Lech in das Noviziat der Jesuiten ein. Danach studierte er noch einmal in Ingolstadt, diesmal Theologie, und wurde 1672 im Dom von Eichstätt zum Priester geweiht.

Sein Wunsch war es, nach Indien in die Mission zu gehen und damit seinem Vorbild, dem 1622 heiliggesprochenen Francisco de Xavier, zu folgen. Obwohl Jeningen immer wieder darum bat – zwanzig Briefe an die Ordensleitung sind bekannt, der letzte vom August 1701 –, verfügten seine Ordensoberen, dass er für die Mission in der Heimat tätig werden sollte und schickten ihn nach dem Tertiat, das er 1672/73 als Hilfspriester im Marienwallfahrtsort Altötting absolvierte, als Lehrer für Latein, Griechisch und Religion nach Mindelheim, Dillingen und Ingolstadt.

1680 kam er zur Betreuung der Wallfahrt auf dem Schönenberg nach Ellwangen an der Jagst, wo die Jesuiten 1638 ein Marienheiligtum geschaffen hatten. Zu seinen Aufgaben gehörten das Lesen der Messe, das Hören der Beichte und der Unterricht am Gymnasium; außerdem hatte er sich für Aushilfsdienste in den Pfarreien der Umgebung bereitzuhalten, die – noch als Folge des Dreißigjährigen Krieges – häufig ohne eigenen Pfarrer waren. Jeningen wirkte bis zu seinem Tod 24 Jahre lang als Volksmissionar lehrend und predigend in Ellwangen und der weiteren Umgebung; er machte Hausbesuche und suchte die Kranken auf. Im Lauf der Jahre soll er etwa 1000 Orte in den Diözesen Augsburg, Konstanz, Würzburg und Eichstätt besucht haben. Auch veranlasste er 1681 den Fürstpropst Johann Christoph Adelmann von Adelmannshausen zum Bau einer großen Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg und bettelte das Geld dafür selbst zusammen.

Jeningen überzeugte weniger durch sein Predigttalent, sondern durch seinen asketischen Lebenswandel (so schlief er z.B. im Sommer auf dem nackten Fußboden) und durch seine Liebenswürdigkeit, die ihn im ganzen Umkreis, vor allem aber bei den Kindern, beliebt machte. Mit seinem Eifer, seiner Frömmigkeit und seiner schlichten Art zog er Pilger und Zuhörer an und erreichte viele Konversionen.

Der »gute Pater« Jeningen starb, als Heiliger verehrt und sehr betrauert, 1704 in Ellwangen und wurde im Kreuzgang der Stiftskirche beigesetzt. 1953 wurden seine Gebeine in die Liebfrauenkapelle der Basilika »St. Vitus« in Ellwangen überführt.

Der Seligsprechungsprozess wurde 1945 in Rom eingeleitet. 1989 wurde der »heroische Tugendgrad« festgestellt, so dass Jeningen seither »ehrwürdiger Diener Gottes« genannt werden darf.

Nach ihm sind heute Straßen, Gebäude und Plätze in Ellwangen, Eichstätt und Umgebung benannt. Seit etwa 15 Jahren findet jedes Jahr im August eine Fußwallfahrt von Eichstätt nach Ellwangen zu seinem Grab in der Basilika statt.

DatenJohannes Philippus; get.: 5. Jan. 1642 (Eichstätt); † 8. Feb. 1704 (Ellwangen); V.: Nikolaus Jeningen, Goldschmied u. Bürgermeister; M.: Anna Maria Jeningen; G.: zwei jüngere Geschwister u. acht Halbgeschwister aus erster Ehe des Vaters; E.: 19. Jan. 1663 (Landsberg); Prof.: 20. Jan. 1665; Sac.: 11. Juni 1672 (Eichstätt).

Literatur
  • Rita Haub/Lorenz Gadient: Der gute Pater Philipp – Pater Philipp Jeningen SJ (1642–1704). Lebensbild und Andacht. – Eichstätt/München 2004
  • Hauser, Patriz: Philipp Jeningen: ein Jesuit, wie er im Buche steht. – Ostfildern: Schwabenverlag, 1995
  • Oswald, Julius (Hg.): »Auch auf Erd ist Gott mein Himmel«: Pater Philipp Jeningen SJ – Missionar und Mystiker. Leben und Briefe. – Ostfildern: Schwabenverlag, 2004


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Letzte Änderung: 27. März 2009 

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