Mariawald


Die Abtei Mariawald ist das einzige Männerkloster der Zisterzienser von der strengeren Observanz (Trappisten) in Deutschland. Es liegt im Waldgebiet des Kermeter-Berges oberhalb des Ortes Heimbach in der Eifel.

Heute

Kloster Mariawald (Foto: Daniel Tibi, 2006)

Kloster Mariawald (Foto: Daniel Tibi, 2006)

Zur Zeit leben zwölf Mönche in der Abtei. Seit April 2005 steht Dom Josef Vollberg OCSO dem Kloster als Superior, seit November 2006 als Abt, vor.

Tätigkeitsbereiche

Vorrangiges Ziel im Leben der kontemplativen Trappisten ist die Suche nach Gott. Gottesdienst und geistliche Lesung nehmen ein Großteil des Tages in Anspruch. Die Patres übernehmen keine Seelsorgsaufgaben außerhalb des Klosters. Im Kloster stehen sie den Gästen zur geistlichen Betreuung zur Seite.

Beliebt ist der Mariawalder Klosterlikör und der Trappisten-Abteitropfen, die im Kloster gebraut werden. Außerdem werden in der Abtei Gebäck, Pralinen, Honig und Hautpflegeprodukte hergestellt. Im Klosterladen „Buch und Kunst“ werden neben den Produkten aus eigener Herstellung auch Bücher, Devotionalien, Karten und Artikel aus fairem Handel angeboten. Land- und Forstwirtschaft betreibt die Abtei heute nicht mehr. Auch die Klosterbrauerei wurde 1956 aufgegeben.

Die Gaststätte des Klosters versorgt hauptsächlich Wanderer und Pilger. Beliebt ist insbesondere die Mariawalder Erbsensuppe, deren Rezeptur in den 1950er-Jahren von den Mönchen entwickelt wurde.

Tochterklöster

Die Abtei Mariawald hat zwei Tochterklöster: 1869 gründete der Marienwalder Mönch Franz Pfanner bei Banja Luka im heutigen Bosnien-Herzegowina das Kloster Mariastern. Ebenfalls von Franz Pfanner gegründet wurde das Missionskloster Mariannhill in Südafrika. Da das Wirken als Missonar mit dem beschaulichen und zurückgezogenen Leben als Trappist nicht vereinbar ist, wurde das Kloster Mariannhill 1909 von Pius X. vom Trappistenorden getrennt und zum Mutterhaus der Mariannhiller Missionare erhoben.

1952/1953 gründete die Abtei zusammen mit dem niederländischen Trappistinnenkloster Koningsoord die Trappistinnenabtei Maria Frieden in Dahlem/Eifel.

Adresse

Abtei Mariawald
52396 Heimbach
www.kloster-mariawald.de

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Geschichte

Die alte Zisterzienserabtei bis zur Säkularisation

Innenraum der Klosterkirche Mariawald

Innenraum der Klosterkirche Mariawald (Foto: Daniel Tibi, 2007)

Die Geschichte der Abtei Mariawald wurzelt in der Aufstellung einer Pieta im Wald bei Heimbach. 1470 kaufte der Heimbacher Strohdachdecker Heinrich Fluitter eine Pieta und stellte sie in einem hohlen Baumstamm zur Verehrung auf. Dieser Platz erwies sich jedoch als zu einsam, sodass Fluitter eine hölzerne Kapelle an einer Wegkreuzung baute und die Pieta dort aufstellte. Als immer mehr Pilger zur Pieta kamen, baute sich Fluitter eine Zelle an die Kapelle an und betreute von dort aus bis zu seinem Tod die Pilgerstätte.

1479 ersetzte der Heimbacher Pfarrer Johann Daum die Kapelle durch eine hölzerne Kirche und bat die Zisterzienser von Bottenbroich um Hilfe bei der Wallfahrtsbetreuung. Mit Urkunde vom 10. November 1480 schenkte Pfarrer Daum die Kirche mit der Pieta dem Zisterzienserorden, der dort mit dem Bau eines Klosters begann. Am 12. September 1481 wurde die Kirche geweiht. Am 4. April 1486 bezog die erste Mönchsgemeinde das neu errichtete Kloster, sodass dieser Tag als Gründungsdatum der Abtei gilt, die den Namen Nemus Mariae (Mariawald) erhielt. 1494 wurde begonnen, die hölzerne Kirche durch einen Steinbau zu ersetzen. Um 1520 wurde die Pieta in einen Schnitzaltar, der verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu – von Verkündigung bis Tod und Auferstehung – zeigt, integriert. 1539 wurde die neue steinerne Kirche geweiht.

Die folgenden hundert Jahre waren eine schwierige Zeit für das Kloster. Wie auch die übrige Bevölkerung hatte die Abtei unter diversen Kriegen, insbesondere dem Dreißigjährigen Krieg, zu leiden. Danach begann eine Phase der Ruhe und guten Entwicklung des klösterlichen Lebens, die mit dem Ausbruch der Französischen Revolution wieder endete. Als 1794 die französische Revolutionsarmee linksrheinische Gebiete besetzte, kam auch die Abtei unter französische Herrschaft. Am 2. April 1795 wurde das Kloster aufgehoben. Land und Inventar wurden versteigert. Die Pieta von Mariawald wurde mit dem Schnitzaltar am 22. Juni 1804 in die Heimbacher Pfarrkirche St. Clemens gebracht. Noch heute steht die Pieta mit dem Schnitzaltar in Heimbach, nunmehr in der am 24. Mai 1981 geweihten Salvatorkirche.

Wiederbegründung im 19. Jahrhundert

Abteikirche Mariawald (Foto: Daniel Tibi, 2007)

Abteikirche Mariawald (Foto: Daniel Tibi, 2007)

1860 kaufte Ephrem van der Meulen, Abt des Trappistenklosters Œlenberg im Elsass, das Klostergut. Im Februar 1861 kamen zwei Brüdermönche von Œlenberg nach Mariawald und begannen mit der Wiederaufbau der Klosteranlage.

Im April 1862 wurde das reguläre Klosterleben wieder aufgenommen. Beendet werden konnte der Wiederaufbau des Klosters erst 1891, da die Aufbauarbeiten durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und den Kulturkampf unterbrochen wurden. Zwar mussten die Mönche von September 1875 bis zum 18. Oktober 1887 das Kloster verlassen, durch den preußischen Staat enteignet werden konnte das Kloster aber nicht, da immer noch Ephrem van der Meulen als Eigentümer des Klostergutes eingetragen war.

20. Jahrhundert

Am 29. September 1909 wurde Mariawald zur Abtei erhoben. Im Ersten Weltkrieg wurden 33 Mönche der Abtei zum Kriegsdienst eingezogen. Drei von ihnen verstarben während des Krieges. Wie auch der übrigen Bevölkerung machte die schwierige Nachkriegszeit der Abtei zu schaffen. Erneute Beeinträchtigungen des Klosterlebens bis hin zu Auflösung mussten die Mönche von Mariawald während der nationalsozialistischen Herrschaft hinnehmen. Während des Baus des Westwalls wurden Bauarbeiter im Kloster einquartiert.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden einige Mönche zum Kriegsdienst eingezogen. Teilweise wurden Mönche von der Gestapo verhaftet. Am 21. Juni 1941 schließlich wurde das Kloster wegen staatsfeindlicher Aktivitäten aufgelöst. Die Patres mussten das Kloster verlassen, die Brüdermönche wurden als Arbeiter in der Landwirtschaft des zum Gemeindegut gemachten aufgelösten Klosters eingesetzt. Als im Herbst 1944 die Front in die Nähe des Klosters rückte, wurde im Kloster ein Feldlazarett eingerichtet. 419 Soldaten starben während ihres Aufenthalts im Feldlazarett. Sie sind auf dem Soldatenfriedhof Mariawald in der Nähe des Klosters beerdigt. Im Februar 1945 wurde die Entfernung des Klosters zur Front größer, sodass das Feldlazarett aufgelöst wurde. Die noch auf dem Gelände verbliebenen Brüdermönche wurden vertrieben. So standen die Gebäude einige Zeit leer. Am 28. April 1945 nahm Pater Christophorus Elsen das Kloster wieder in Besitz. Der Abt von Ölenberg hatte ihn zuvor zum Superior ernannt. Pater Christophorus nahm Kontakt zu den vertriebenen Mönchen auf, die sich größenteils wieder im Kloster einfanden. Jedoch sind während des Krieges drei Mönche gefallen und vier blieben vermisst. Außerdem sind einige Patres in der Verbannung gestorben. Erneut wurde das Kloster wiederaufgebaut. Im Dezember 1946 wurde Christophorus Elsen zum Abt gwählt. Die Beseitigung der Kriegsschäden dauerte bis 1959.

1962 bis 1964 wurde die Klosterkirche renoviert und den liturgischen Änderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils angepasst. Im November 2008 gewährte Papst Benedikt XVI. der Abtei das Privileg, die alte Eigenliturgie des Ordens der Zisterzienser der strengeren Observanz von 1964 wieder auszuüben und Messen im überlieferten tridentinischen Ritus zu feiern.

TagesablaufDie Mönche leben nach der Regula Benedicti, der Mönchsregel des Heiligen Benedikt von Nursia, und den Konstitutionen des Ordens der Zisterzienser der strengeren Observanz. Gebet, Lesung und körperliche Arbeit bestimmen den Tagesrhythmus der Mönche.

Ein Zisterziensernovize bei der geistlichen Lesung auf seiner Zelle (Foto: Daniel Tibi)

Ein Zisterziensernovize bei der geistlichen Lesung auf seiner Zelle (Foto: Daniel Tibi)

Um 4:00 Uhr stehen die Mönche nach einem etwa achtstündigen Schlaf auf. Gegen 4:15 Uhr vollziehen sie die erste der insgesamt sieben täglichen Gebetszeiten (Horen), die Vigilien, die ca. 75 Minuten dauern. Daran schließt sich privates Gebet und geistliche Lesung an. Durch die geistliche Lesung soll den Mönchen der Reichtum des Wortes Gottes tiefer erschlossen werden.

Um 7:15 Uhr versammeln sich die Mönche wieder in der Kirche, zum Gebet der Laudes. Die daran anschließende Feier der Heiligen Messe ist der geistliche Höhepunkt des Tages. Nach einem einfachen Frühstück und der Terz beginnt die erste Arbeitsphase, die etwa zwei Stunden dauert. In verschiedenen Tätigkeitsbereichen (Landwirtschaft, Handwerksbetriebe, Klosterverwaltung u.a.) trägt jeder der Mönche je nach eigenen Interessen und Fähigkeiten und Bedürfnissen der Gemeinschaft zum Unterhalt des Klosters bei. Insbesondere die körperliche Arbeit wird bei den Trappisten hoch geschätzt. Sie ist nicht nur ein guter Ausgleich im geistlichen Leben der Mönche. Sie solidarisiert die Mönche auch mit den einfachen Menschen, die durch körperliche Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Um 12:00 Uhr wird der Vormittag durch das Gebet der Sext beendet. Anschließend nehmen die Mönche im Refektorium des Klosters gemeinsam das Mittagessen ein. Mit Ausnahme von Sonntagen und Hochfesten wird das Essen in Stille mit Tischlesung eingenommen. Traditionell ist das Essen einfach und fleischlos. In der Mittagszeit können sich die Mönche ausruhen, lesen oder einer stillen Arbeit nachgehen.

Um 14:00 Uhr wird die Non gebetet. Daran schließt sich die zweite, ca. dreistündige Arbeitsphase an.

Um 17:00 Uhr beschließt die Vesper den Nachmittag. Anschließend ist Abendessen, das wie das Mitagessen in Stille eingenommen wird. Nach dem Abendessen haben die Mönche noch Zeit zu geistlicher Lesung, Studium oder Gebet.

Der Tag wird um 20:00 Uhr mit dem Gebet der Komplet beendet, die mit dem Salve Regina geschlossen wird.

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Lage & Anfahrt

Anreise mit dem PKW

Von der A1, Ausfahrt Euskirchen (112): B56a Richtung Zülpich, bis die B56a auf die B265 stößt. Dort links Richtung Schleiden. Straßenverlauf bis Vlatten folgen, dort rechts nach Heimbach. Ab dort ist die Abtei Mariawald ausgeschildert.

Aus Düren:
Beschilderung nach Kreuzau, Nideggen, Abenden, Heimbach folgen.

Aus Aachen, Niederlande, Belgien:
(A3 aus Liege, ab Grenze A 44 bis Aachen-Lichterbusch, Abfahrt 2): Beschilderung nach Monschau, Koblenz, Trier folgen bis Roetgen. 4 km hinter Roetgen links nach Lammersdorf. Richtung (Beschilderung auch: Rursee) Simmerath, 1 km hinter Ortsausgang Richtung Rollesbroich und weiter nach Strauch. Dort Beschilderung nach Nideggen folgen bis Schmidt. Ab dort ist Heimbach ausgeschildert; dann Beschilderung zur Abtei Mariawald.

Aus südlicher Richtung:
(Trier, Südeifel, Monschau, Südost-Belgien, Luxemburg steuern Sie Schleiden-Gemünd an, die Kreuzung B 266, B 265. Dort folgen Sie der Beschilderung Richtung Heimbach (B 265) und weiter auf der L 249 zur Abtei Mariawald.

Anreise mit Bus und Bahn:

Bahnreisende fahren mit dem Zug bis Kall und von dort mit dem Taxi zur Abtei oder mit dem Zug bis Düren, weiter mit der Rurtal-Bahn nach Heimbach und von dort mit Bus oder Taxi zur Abtei.

Literatur

  • P. Sacerdos Friederich: Zur Entstehung des Priorates Mariawald. In: Cistercienser-Chronik, Jg. 26, Nr. 30 vom 1.5.1914
  • Goerke, Cyrillus: Die Trappistenabtei Mariawald. In: »Collectanea Cisterciensia« (1935)146–149, 216–218 und (1936) 24–25
  • Cyrillus Goerke, Michael Schopphoven: Das Zisterzienserkloster Mariawald. – 4. Aufl. Mariawald/Heimbach 1937
  • Cyrillus Goerke: Die Austreibung der Trappistenmönche aus Mariawald. In: Heimatblätter (Düren) 3 (1926), Nr. 12
  • Cyrillus Goerke: Die Wallfahrt auf dem Kermeter. In: Heimatblätter (Düren) 3 (1926), Nr. 19.
    Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.), Abtei Mariawald auf dem Kermeter in Heimbach (Eifel) (Rheinische Kunststätten 415) Neuss 1994

Letzte Änderung: 29. April 2012 


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