Padovese, Luigi


Luigi Padovese OFMCap (1947–2010), italienischer Kapuziner und Titularbischof; Apostolischer Vikar von Anatolien (Türkei).

* 31. März 1947 (Mailand); † 3. Juni 2010 (Iskenderun)Vest.: 3. Okt. 1964; Prof.: 4. Okt. 1965, 4. Okt. 1968; Sac.: 16. Juni 1973; Vic. Apost. Anatoliensis et Ep. tit. Montis Viridis: nom. 11. Okt. 2004, cons. 7. Nov. 2004.

Luigi Pavese OFMCap

Luigi Pavese OFMCap

Der 1964 in die Lombardische Provinz der Minderen Brüder Kapuziner eingetretene Padovese erlangte nach dem Baccalaureat in Theologie am Päpstlichen Athenäum »Antonianum« 1975 an der Päpstlichen Universität »Gregoriana« das Lizentiat in Theologie, wobei er sich auf Patristik und Theologiegeschichte spezialisiert hatte. 1976 setzte er seine Spezialstudien an der Universität Würzburg (Deutschland) fort, 1978 wurde er an der Päpstlichen Universität Gregoriana promoviert.

1977 begann er seine Vorlesungstätigkeit in Patristik und Geschichte der Theologie, zunächst am Theologischen Studium der Kapuziner in Mailand, dann 1979 am Päpstlichen Institut für Auslandsmission (PIME). Danach unterrichtete er am Päpstlichen Athenäum »Antonianum«, wo er 1995 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Er ist auch Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana.

Im Kapuzinerorden hatte er verschiedene Aufgaben: Studienpräfekt am Internationalen Kolleg San Lorenzo (1983–1987), Mitglied des Büros an der Generalkurie für Ausbildung im Kapuzinerorden, Verantwortlicher für die Publikationen des Franziskanischen Instituts für Spiritualität (1982–2000), seit 1990 auch Präsident dieses Instituts.

Luigi Padovese hat eine umfangreiche wissenschaftliche Aktivität entfaltet und viele Artikel und Bücher veröffentlicht. Er war außerdem Delegat für die von der Kongregation für die Ostkirchen abhängigen Kollegien. Seine Arbeit als Wissenschaftler hat ihn zu einem der wichtigsten Fachleute Italiens im Bereich der frühchristlichen Literatur gemacht. Er war auch ein wichtiger Inspirator für verschiedene Symposien in der Türkei, die sich mit dem Heiligen Johannes und dem Heiligen Paulus beschäftigten, und für die interkonfessionellen Symposien, die das Franziskanische Institut für Spiritualität am Päpstlichen Athenäum »Antonianum« in Rom zusammen mit der Theologischen Fakultät der orthodoxen Kirche Griechenlands an der Universität Aristotile in Thessaloniki veranstaltet.

Am 11. Oktober 2004 wurde Padovese mit dem Titularsitz Monteverde zum Apostolischen Vikar von Anatolien mit Sitz in Iskenderun ernannt und am 7. November 2004 durch den Apostolischen Nuntius in der Türkei, Erzbischof Edmond Y. Farhat, zum Bischof geweiht. Seit 2008 war er Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz.

Bischof Padovese wurde am 3. Juni 2010 vor seinem Haus in Iskenderun getötet.

Bischof Padovese sprach fließend Deutsch.

Gerd Gessinger

Letzte Änderung: 13. Juni 2010 

Kommentare

3 Kommentare zu “Padovese, Luigi”

  1. Holzer Identicon
    Holzer
    3. Juni 2010 16:25

    Bei dem Täter handelt es sich um den Chaffeur, der seit 4.5 Jahren für den Bischoff gearbeitet hat. Gemäss türkischen Nachrichtenagenturen kam es zu der Tat nachdem die beiden einen Streit hatten. Der Täter war in psychologischer Behandlung. Ein politischer oder religiöser Hintergrund wird ausgeschlossen.

  2. Prof. Dr. Winfrid Cramer Identicon
    Prof. Dr. Winfrid Cramer
    3. Juni 2010 20:48

    Bischof Prof. Dr. Luigi Padovese ist mir als wissenschaftlicher Fachkollege seit langem bekannt als ein äußerst liebenswürdiger, gerade im Umgang mit sog. „Untergebenen“ sehr angenehmer Mensch. Ich halte diie Aussage über angebliche psychische Probleme des Täters, die einen religiösen Hintergrund ausschließen sollen, für eine Schutzbehauptung der türkischen Behörden. In Wirklichkeit dürfte die Tat in eine Serie von Angriffen auf Christen in der Türkei einzuordnen sein, die nachweislich in den vergangenen Jahren immer mehr zunehmen.
    W. Cramer

  3. Michael Schmittinger Identicon
    Michael Schmittinger
    4. Juni 2010 09:55

    Luigi Padovese war ein Freund von mir. Ich habe ihn selbst vor 2 Jahren in der Türkei besucht und dabei auch den Täter, seinen Fahrer kennengelernt. Dieser war für uns ebenfalls wie ein Freund, was die jetzige Tat um so entsetzlicher und nicht zu verstehen macht. Ich möchte keine Angaben zu Motiv oder Hintergründen machen, da ich sie nicht kenne und vermutlich auch nie erfahren werde. Was jedoch klar ist, das Bistum von Luigi war immer ein Risikogebiet für Christen, was auch die Ermordungen von Priester Andrea und anderen Christen zeigen.
    Was zurückbleibt ist tiefer Schmerz und Entsetzen ob dieser grausamen Tat.

    In tiefer Trauer

    M.Schmittinger

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