Peruschitz, Joseph


Joseph Peruschitz OSB (1871–1912), Benediktiner der Abtei vom hl. Kreuz, Scheyern; er kam beim Untergang der »Titanic« ums Leben.

Benedikt; * 21. März 1871 (Straßlach); † 15. April 1912 (Titanic); V.: Mathias Peruschitz († 1923), Maurerpolier; M.: Elisabeth Peruschitz geb. Neudecker (1847–1925); Vest.: 23. Aug. 1894; Prof.: 24. Aug. 1895; Sac.: 28. April 1895; Primiz: 8. Mai 1895 (Dorfen).

Josef Peruschitz OSBPeruschitz wurde 1871 in Straßlach (Pfarrei Großdingharting) geboren. Im Jahr nach seiner Geburt siedelte die Familie nach Dorfen über, wo der Vater eine kleine Baummaterialien-Handlung eröffnete. Von 1877 bis 1882 besuchte Benedikt die Volksschule, bevor er 1882 als Zögling in Scheyern aufgenommen wurde. 1886 wechselte er an das königliche Gymnasium in Freising. Nach dem Abitur im August 1890 studierte er am königlichen Lyceum Philosophie und seit Juni 1891 Theologie. Im sechsten Semester trat er in das Noviziat des Klosters Scheyern ein. Am 28. April 1895 wurde er, noch vor seiner Profess, in Scheyern durch Erzbischof Antonius von Thoma zum Priester geweiht. Während der folgendenden Jahre war er in verschiedenen Funktionen tätig, vor allem aber als Erzieher und Lehrer für Mathematik, Musik und Turnen an der Klosterschule.

Am 10. April 1912 schiffte Peruschitz sich in Southampton auf der Titanic nach Amerika ein, weil er von amerikanischen Benediktinern zur Unterstützung angefordert worden war. Seiner Familie hatte er nichts von seinem Vorhaben gesagt, er wollte sie überraschen, wenn er in Amerika angekommen wäre. Auf dem Schiff hielten Peruschitz und ein anderer Priester namens Byles jeden Tag Gottesdienste, zunächst nur in den dritten Klassen, dann auch in der zweiten Klasse, in der sie selbst reisten. An den Gottesdiensten in der dritten Klasse nahmen mehrere hundert Passagiere teil und Peruschitz predigte in Ungarisch und Deutsch, Father Byles in Englisch und Französisch. Die religiöse Feier in der ersten Klasse wurde vom Kapitän, Edward John Smith, geleitet.

In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 lief die Titanic im Nordatlantic etwa 500km südlich von Neufundland auf einen Eisberg und begann zu sinken. Während der Evakuierung leisteten die beiden Priester den Passagieren Beistand, spendeten Trost und beteten mit den Zurückgebliebenen. Einen Platz in den Rettungsboten hatten sie abgelehnt.

»Der Benediktinerpater Joseph Peruschitz aus Scheyern und Pater Byles aus England waren, als die Katastrophe eintrat und Frauen und Kinder in die Boote geschafft wurden, sofort zur Hand, um allen, soweit es möglich war, zu helfen.« (Zeitschrift »America«, New York 1912)

Um etwa 2:20 Uhr des 15. April 1912 sank die Titanic und riss 1496 Menschen, darunter Pater Joseph Peruschitz und Father Byles, in den Tod.

»Als das letzte Boot hinabgelassen war, sahen die Insassen dieses Bootes ganz deutlich, wie die beiden Priester den Rosenkranz vorbeteten, und hörten, wie eine große Anzahl kniender Passagiere in inbrünstigen Gebeten antworteten. Dann erloschen die Lichter der Titanic, so dass man nicht mehr sehen konnte; aber man hörte weder Jammergeschrei noch Schreckensrufe.« (ebd.)

Literatur

  • Jens Ostrowski: Berufung Titanic: Die Reise des Benediktinerpaters Joseph Peruschitz. – Füssen, 2001

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Letzte Änderung: 14. April 2015 

Kommentare

3 Kommentare zu “Peruschitz, Joseph”

  1. Jens Ostrowski Identicon
    Jens Ostrowski
    18. September 2008 23:18

    Peruschitz verweilte zwar vor der Abreise einige Tage in London, letztlich ging er aber in Southampton an Bord der Titanic.

    LG – Jens Ostrowski

  2. gge Identicon
    19. September 2008 13:40

    Das ist wohl wahr und wird auch gleich geändert. Danke für den Hinweis.

  3. Elmar Identicon
    Elmar
    14. April 2015 11:14

    Wann wird wohl Pater Peruschitz selig- bzw. heiliggesprochen? Hat schon mal der Orden diesen Schritt in Erwägung gezogen? Es könnt ja dadurch Bewegung in die Sache kommen, weil die Heimatgemeinde des englischen Geistlichen Thomas Byles dies für ihren „Diener Gottes“ anstrebt.

    Ihr Diener Gottes, Thomas Byles und Joseph Peruschitz bittet für uns!

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