Redemptoristen


Die Redemptoristen – die „Kongregation des Allerheiligsten Erlösers“ – lat. Congregatio Sanctissimi Redemptoris (C.Ss.R.) sind ein katholischer Männerorden, der von Alfonso Maria de Liguori in Scala, Italien, gegründet wurde. Der Wahlspruch des Ordens ist „Bei IHM ist Erlösung in Fülle – copiosa apud eum redemptio.“ Seltener werden sie auch Erlösermissionare oder nach ihrem Gründer Liguorianer genannt.

Anfänge

Das Professkreuz der Redemptoristen, gestaltet von Max FallerNach einem verlorenen Prozess hatte sich der neapolitanische Staranwalt Alfons von Liguori entschlossen, den Priesterberuf zu ergreifen und kümmerte sich nun vor allem um die von der Gesellschaft Ausgegrenzten, die Lazzaroni, seiner Heimatstadt.

Im Jahr 1730 kommt er zu einem Erholungsurlaub in das kleine Bergstädtchen Scala an der Amalfiküste und muss dort eine seelsorgliche Vernachlässigung der Landbevölkerung feststellen. Mit drei weiteren Priestern und einem Laien schließt Alfons sich am 9. November 1732 zusammen, um dieser pastoralen Notsituation entgegenzutreten. Dieser Zusammenschluss gilt als das Entstehungsdatum der Redemptoristen.

Alfons fordert sich selbst und seinen Mitbrüdern ein strenges Leben ab. Seine Devise lautet: „Daheim ein Kartäuser, draußen ein Missionar.“ Deshalb verlassen ihn seine ersten Gefährten, andere wiederum schließen sich ihm – wenn auch zunächst zögerlich – an. Zudem gibt es Kontroversen mit dem Königreich Neapel, das sich in die Abfassung der Ordensregel einmischt. Am 25. Februar 1749 anerkennt Papst Benedikt XIV. die Ordenskonstitutionen, doch noch bis 1790 gibt es Probleme mit dem Staat. Beim Tod des Ordensgründers existieren so zwei Zweige des Ordens: der eine im Königreich Neapel, der andere im Kirchenstaat.

Geschichte

Die Verbreitung des Ordens nördlich der Alpen

Im Jahr 1784 traten mit den beiden Theologiestudenten Klemens Maria Hofbauer und Thaddäus Hübl die ersten Nichtitaliener in die Kongregation der Redemptoristen ein. Beide wollten in Italien ihr in Wien begonnenes Theologiestudium beenden und hatten in Rom die junge Kongregation kennen gelernt. Sie sollen, so wird erzählt, sich bei ihrer Ankunft in Rom dazu entschlossen haben, am nächsten Morgen die Kirche zu besuchen, deren Glockengeläut sie als erstes hören. Dies war die Kirche der Redemptoristen. Am 29. März 1785 empfangen Hofbauer und Hübl die Priesterweihe und werden daraufhin von ihrem Generaloberen beauftragt, nördlich der Alpen Ordensniederlassungen zu gründen. Zunächst spielen Hofbauer und Hübl mit dem Gedanken, in Österreich ein Ordenshaus zu errichten, was jedoch aufgrund der politischen Situation unmöglich war. Kaiser Joseph II., der in Wien regierte, hatte während seiner Regierungszeit 800 Klöster aufgelöst. Die Redemptoristen ziehen weiter Richtung Polen, wo sie mehr Glück haben: Der päpstliche Nuntius in Polen Saluzzo, ein Neapolitaner, war mit Alfons von Liguori persönlich befreundet und steht den Redemptoristen wohlwollend gegenüber.

Hofbauer und Hübl übernehmen im Jahr 1787 in Warschau die Seelsorge an der Kirche St. Benno. Ebenfalls dabei ist Emanuel Kunzmann, ein Freund Hofbauers, der sich den beiden auf ihrem Weg nach Polen angeschlossen hatte und der erste Ordensbruder nördlich der Alpen wird.

Zusehends wächst in Warschau die Gemeinschaft der Redemptoristen. Im Jahr 1799 gehören der Kommunität 25 Patres und Brüder an. Neben einem vielfältigen liturgischen und katechetischen Angebot in der Kirche kümmern sich die Ordensleute besonders um die Bedürftigen: Sie gründen ein Waisenhaus und eine Handarbeitsschule und sie sind an einer Armenschule tätig. Hofbauer bildet außerdem Laien zu „Aposteln“ aus, die mit den Ordensleuten zusammenarbeiten.

Am 31. Mai 1788 wird Hofbauer zum Stellvertreter der Generaloberen ernannt und leitet in dieser Funktion bis zu seinem Tod den Ordenszweig nördlich der Alpen. In dieser Funktion ist er häufig unterwegs, um neue Klöster zu gründen. Doch er hat wenig Erfolg. Insgesamt unternahm Hofbauer vier Gründungsreisen: nach Konstanz (1795), nach Wollerau am Zürichsee (1797–1798), ins ostpreußische Ermland (1799) sowie nach Jestetten, Joinville (Frankreich) und Rom (1802–1804). Aufgrund finanzieller Probleme wie auch wegen der schwierigen politischen Situation in diesen Jahren hatten die Klöster keinen langen Bestand. Im Jahr 1803 wurde der Franzose Joseph-Amand Fidèle Constantin Passerat (1772–1858), der 1796 mit drei Gefährten in das Kloster St. Benno eingetreten war zum Oberen mit Sondervollmachten für Süddeutschland, die Schweiz und das Elsass ernannt. Er residierte aufgrund der häufigen Klosterauflösungen zunächst an verschiedenen Orten (unter anderem in Triberg im Schwarzwald) und ab 1818 in der ehemaligen Kartause Valsainte im Kanton Freiburg in der Schweiz.

Im Jahr 1808 werden die Redemptoristen auf den Befehl Napoleon Bonapartes aus Warschau vertrieben. Hofbauer und zwei Mitbrüder werden nach Wien verbannt, wo sie als Großstadtseelsorger wirken. Im Jahr 1820 – unmittelbar vor Hofbauers Tod – wird der Orden in den Österreichischen Ländern anerkannt. Kurz darauf bewerben sich 27 junge Männer um den Eintritt in die Gemeinschaft.

Nachfolger Hofbauers als Oberer der Redemptoristen nördlich der Alpen wird Joseph-Amand Passerat. Während seiner Amtszeit wächst der Orden in seiner Region um das Zehnfache auf 300 Mitglieder an. „Transalpine“ Ordenshäuser entstehen in Österreich, im Elsass, in Belgien, Holland, den Vereinigten Staaten (1839) und in Bayern (1841). Zudem wirken Redemptoristen aus dem transalpinen Ordenszweig zeitweilig auf dem Balkan und in Portugal.

Besonderen Wert legt Passerat auch darauf, dass es nicht zu einer Abspaltung des transalpinen Ordenszweiges von der Mutterkongregation in Italien kommt. Deshalb konzentriert er sich wieder mehr als Hofbauer, dem wesentlich Pfarrseelsorge und Schuldienst sowie eine literarische Tätigkeit im Dienst der Seelsorge am Herzen lagen, auf die ursprünglichen Zielsetzungen des Ordens: die Volksmission und eine starke Betonung des beschaulichen Lebens.

Geschichte der Deutschen Provinzen

Im Jahr 1841 berief der bayerische König Ludwig I. Redemptoristen als Wallfahrtseelsorger in den Wallfahrtsort Altötting. Im Westen Deutschlands entstanden Kommunitäten in Bornhofen, Koblenz und Trier. Hier wirkten Ordensleute aus Bayern, dem Elsass und Belgien. Im Jahr 1854 kam es zur Gründung einer von Österreich unabhängigen Deutschen Provinz, von der 1859 die norddeutschen Häuser abgetrennt wurden. Am 19. März 1859 entstanden so die „Oberdeutsche (später Münchner) Provinz“ und die „Niederdeutsche (später Kölner) Provinz“ der Redemptoristen.

Während des Kulturkampfes mussten die Redemptoristen Deutschland verlassen, die süddeutschen Ordensleute wichen nach Österreich aus, die norddeutschen nach Holland und Belgien. 1894 konnten sie wieder ins Deutsche Reich zurückkehren. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die meisten Häuser der Redemptoristen aufgehoben und ihre seelsorgliche Tätigkeit erschwert bis unmöglich gemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Orden in Deutschland wiederum einen großen Aufschwung, auch bedingt dadurch, dass viele heimatvertriebene Redemptoristen aus dem Osten sich den deutschen Provinzen anschließen.

Am 1. August 2005 schließt sich die Kölner Provinz mit der Schweizer, der Holländischen Provinz und der Provinz Flandern im Schweizer Kloster Matran (Kanton Freiburg) zur Provinz St. Clemens zusammen. Die Münchner Provinz bleibt weiterhin eigenständig.

Tätigkeiten

Der ursprüngliche Tätigkeitsbereich der Redemptoristen war die Volksmission, die heute weitgehend Gemeindemission heißt. Dabei geht es um verschiedene pastorale Veranstaltungen (Gottesdienste, Vorträge, Gesprächsrunden) in Pfarreien und Dekanaten, durch die eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Glauben gefördert werden soll. In der Münchner Provinz arbeiten die Redemptoristen hier mit den Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser zusammen.

Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld ist die Jugendseelsorge (Kloster Kirchhellen bei Bottrop und Kloster Schönenberg bei Ellwangen). In Bonn sind die Redemptoristen Träger des Schulzentrums Collegium Josephinum, (Gymnasium und Realschule). Zudem bieten Redemptoristen Exerzitien und andere Formen der Erwachsenenbildung an (zum Beispiel in Bous im Saarland, Cham in der Oberpfalz). In Trier ist der Orden in der Telefonseelsorge tätig, im Kloster Gars am Inn leitet er ein Institut für Lehrerfortbildung. Die Redemptoristen der Münchner Provinz begleiten als Seelsorger die Laiengemeinschaft »Alfons Liguori Freundeskreis«. Im Kloster Maria Bickesheim bei Karlsruhe und auf dem Schönenberg sind die Ordensleute als Wallfahrtseelsorger tätig.

Ein wichtiges Arbeitsfeld des Ordens ist auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Moraltheologie. Alfons von Liguori, der sich wesentlich mit Fragen christlicher Moral befasste, ist Patron der Moraltheologen. Im Dienst der moraltheologischen Forschung steht die „Accademia Alfonsiana“ in Rom, an der vor allem Redemptoristen dozieren. Der Orden hatte in Deutschland zwei eigene Hochschulen, eine in Gars am Inn (1907–1973) und eine zweite in Hennef-Geistingen (1903–1996, Auflösung des Klosters 2006).

Spiritualität

Vorliebe für die Benachteiligten

Das Ziel der redemptoristischen Tätigkeit benennt Alfons von Liguori mit dem Wort Jesu aus dem Lukasevangelium: „Er hat mich gesandt, den Armen die Frohe Botschaft zu verkünden“ (Lk 4, 18). Das „Evangelizare pauperibus“ bedeutete für Alfons konkret, jenen Menschen die Frohbotschaft zu verkünden, die seelsorglich vernachlässigt wurden. Die Vorliebe für Menschen in Notlagen ist auch heute ein Anliegen des Ordens. Konkret in Deutschland wird das unter anderem in der Arbeit in der Telefonseelsorge. Die Konstitutionen des Ordens fordern auch den Einsatz für die Grundrechte der Armen in Freiheit und Gerechtigkeit: „Die Aufgabe der Redemptoristen besteht also darin: Ausdrücklich das Evangelium zu verkünden, sich mit den Armen zu verbinden und ihre Grundrechte in Freiheit und Gerechtigkeit zu fördern.“ Dabei wird das „Evangelizare pauperibus“ als wechselseitiger Prozess verstanden – ergänzt um den Satz „et a pauperibus evangelizari – und von den Armen evangelisiert werden“. Redemptoristische Seelsorge versteht sich damit als Begegnung und gegenseitiges Lernen.

Leben in Gemeinschaft

Eine wichtige Bedeutung hat für den Orden das Leben und Arbeiten in Gemeinschaft. Redemptoristen verstehen sich nicht als Einzelkämpfer. Alfons von Liguori schwebte als Modell für seine Kongregation die Gemeinschaft Jesu mit seinen Aposteln vor, die gemeinsam mit ihrem Herrn ausziehen, um das Evangelium zu verkünden. Auch heute spielt die Teamarbeit bei den Redemptoristen eine wichtige Rolle. Ebenfalls sollen auch das gemeinsame Gebet und die gemeinsame Feier des Gottesdienstes, sofern es die apostolische Arbeit zulässt, gepflegt werden.

Heilige und selige Redemptoristen

Heiliggesprochen wurden

  • Alfons von Liguori, Ordensgründer
  • Gerhard Majella, einer der Ordensbrüder aus der Anfangszeit
  • Klemens Maria Hofbauer, erster Oberer des Ordens nördlich der Alpen
  • Johann Nepomuk Neumann, Bischof in den USA

Seliggesprochen wurden

  • Petrus Donders
  • Kaspar Stangassinger aus dem Kloster Gars
  • Franz Xaver Seelos
  • Dominick Methodius Trcka
  • Vasyl Velychkovskyi
  • Zynoviy Kovalyk
  • Mykolay Charnetskyi
  • Ivan Ziatyk

Weblinks

F. S. Sebowsky

Letzte Änderung: 8. September 2008 

Kommentare

2 Kommentare zu “Redemptoristen”

  1. Albert-Christian Schneider Identicon
    21. Dezember 2009 20:32

    Ich recherchiere über das Leben meines Ururgroßonkels William Wolsfeld, der 53 Jahre segensreich in den USA für Ihren Orden tätig war.
    Wilhelm/William Wolsfeld geb. 1852 gest. 1935 in New York.
    Würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Informationsmaterial über meinen Onkel
    zur Verfügung stellen könnten.
    Meine Adresse:
    Albert-Christian Schneider
    Memelstr. 3
    54295 Trier
    Vielen Dank und herzliche Grüße
    Albert C. Schneider

  2. elfienagl Identicon
    elfienagl
    1. November 2010 18:58

    Sehr geehrte Damen oder Herren, mein Vater Gottfried Müller hätte gerne Auskunft über seinen cousin Peter Müller der in Leoben im Kloster war,seit ca 2 Jahren haben wir nichts mehr von ihm gehört. Es wäre schön wenn sie uns mitteilen könnten wo wir ihn finden können . Danke im Vorraus.Elfie Nagl

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