Trappisten


Die Zisterzienser der strengeren Observanz (Ordo cisterciensis strictioris observantiae, OCSO), volkstümlich Trappisten genannt, sind ein kontemplativer monastischer Orden, der nach der Regel des hl. Benedikt von Nursia lebt. Ihm gehören Frauen und Männer an.

Der Orden heute

Zisterzienser, mittelalterliche Handschrift

Zisterzienser, mittelalterliche Handschrift

Der Trappistenorden ging aus einer Reformbewegung des Zisterzienserordens hervor, die von Armand-Jean Le Bouthillier de Rancé im französischen Kloster La Trappe, daher die Bezeichnung Trappisten, ausgegangen war. In seiner heutigen Form wurde er 1892 gegründet, als Papst Leo XIII. drei der damals vier existierenden Trappistenkongregationen zu einem einheitlichen Orden reformierter Zisterzienser mit gemeinsamer Observanz unter der Leitung eines in Rom residierenden Generalabts vereinte1.

Weltweit zählt der Orden heute 101 Männerklöster mit etwa 3000 Mönchen und 70 Frauenklöster mit etwa 1800 Nonnen (→ Trappistinnen). Damit hat sich die Zahl der Klöster in den letzten 60 Jahren mehr als verdoppelt, während die Zahl der Mitglieder um ein Siebtel zurückgegangen ist.

Deutschland

Das einzige Mönchskloster der Trappisten in Deutschland ist die Abtei Mariawald in Heimbach/Eifel. Es gibt aber auch zwei Trappistinnenklöster in Deutschland: die Abtei Maria Frieden in Dahlem/Eifel und das Kloster Unserer Lieben Frau von Gethsemani in Dannenfels am Donnersberg.

Österreich

Das einzige Trappistenkloster in Österreich ist das 1293 gegründete Stift Engelszell in Engelhartszell, Oberösterreich.

Schweiz

In der Schweiz besteht nur ein Kloster, das Frauenkloster Abbaye de la Fille-Dieu im freiburgischen Romont. Die Abtei wurde seit 1990 umfangreich renoviert und die Klosterkirche 1996 – genau 650 Jahre nach der ersten Weihe – neu geweiht.

Weblinks

Fußnote

1Die vierte Kongregation, Casamari, verweigerte sich dem Zusammenschluss und trat 1929 mit ihren zehn Klöstern zur gewöhnlichen Observanz über.

Geschichte
Armand Jean Le Bouthillier de Rancé

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé

Armand Jean Le Bouthillier de Rancé trat am 14. Juli 1664 in das Zisterzienserkloster La Trappe ein; das Amt des Abtes dieses Kloster hatte er vorher schon als Kommende inne. Er nahm Reformbestrebungen innerhalb des Zisterzienserordens auf und versuchte, die frühen Ideale des Ordens in der ganzen Konsequenz und Strenge wieder aufleben zu lassen, und ging sogar noch darüber hinaus. Grundlegend für seine Reformen war Rancés Bewusstsein der Notwendigkeit der Buße. Im Vordergrund der Reform stand Selbstverleugnung, Demut und Askese. Rancé lehnte aus Demut jegliche wissenschaftlichen Studien im Kloster ab. Die Askese der Trappisten äußerte sich in strengen Schweigeregeln, harter Handarbeit, insbesondere in der Landwirtschaft, und strengen Abstinenzregeln.

Die Reformen Rancés wurden von vier Männerklöstern und einem Frauenkloster übernommen. Nach dem Tod Rancés führten die Mönche von La Trappe sein Reformwerk fort. 1790 wurde La Trappe im Zuge der Französischen Revolution aufgehoben. Augustin de Lestrange, seit 1785 Novizenmeister von La Trappe, flüchtete mit 21 Mönchen in die Schweiz. Am 1. Juni 1791 besiedelten die aus Frankreich geflohenen Mönche das verlassene Kartäuserkloster La Valsainte. 1794 veröffentlichte Lestrange die Regèlements de La Valsainte, die Lebensgewohnheiten der Mönche von Valsainte. Im gleichen Jahr bildete sich eine Kongregation von Klöstern, die die Reformen für sich übernommen hatten. So entstand der Ordo et congregatio Beatae Mariae de La Trappe.

1798, als französische Truppen in die Schweiz einfielen, mussten die Mönche auch La Valsainte verlassen. Sie durchwanderten Deutschland, Österreich, Polen und Russland. Von dort wurden sie 1800 ausgewiesen. Die Mönche teilten sich in verschiedene Gruppen auf und gelangten nach Westfalen, Flandern, England und Amerika. Auf diesem Wege breitete sich die Reformkongregation weltweit aus. 1814, nach dem Sturz Napoleons, wurde auch La Trappe wiederbesiedelt. In Frankreich gründeten die Reformierten außerdem mehrere Klöster neu und besiedelten alte Zisterzienserabteien wieder. 1830 gehörten 10 Männer- und 4 Frauenklöster zur Kongregation, die damals noch keinen selbständigen Orden bildete, sondern dem Generalabt der Zisterzienser unterstellt war.

1847 wurden die Reformierten von Papst Pius IX. in zwei Kongregationen aufgeteilt: die eine befolgte die Regeln Rancés und die andere die Regeln Lestranges. Erst 1892, unter Papst Leo XIII., entstand ein gemeinsamer Orden beider Kongregationen, der „Orden der Reformierten Zisterzienser“. 1902 bekam der Orden die heute gültige Bezeichnung „Orden der Zisterzienser von der strengeren Observanz“. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gründete der Orden auch Niederlassungen in Australien, Afrika, Palästina, China und Japan. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden Buße und Askese im Orden auf ein vernünftiges Maß beschränkt.

Daniel Tibi

Literatur
  • Maria Magdalena Aust: La Trappe: Last und Inspiration einer Legende. Die Spiritualität der Trappisten in ihrer geschichtlichen Entwicklung. In: Edith-Stein-Jahrbuch 9 (2003), S. 92-111.
  • Karl Suso Frank: Trappisten. In: LThK³ 10 (2001), S. 193-195.

Letzte Änderung: 19. Oktober 2010 

Kommentare

Ein Kommentar zu “Trappisten”

  1. Jochen MIchels Identicon
    7. Mai 2016 18:44

    Guten Tag
    auf die o.g. Webadresse möchte ich verweisen, wo man Einiges zum Reformator Abbé de Rancé findet.
    Das Meiste ist bisher in Deutschland kaum bekannt, jetzt aber gibt es deutsche Dokumente von ihm und über ihn – in Deutsch
    Eine bedeutende und liebende Persönlichkeit – nicht der „grausame Abt“, als der er oft verrufen wurde.

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