Zisterzienser


Die Zisterzienser (lat. Ordo Cisterciensis, OCist) sind ein kontemplativer Mönchsorden, der durch Reform aus den Benediktinern hervorgegangen ist. Zur Familie der Zisterzienser gehört neben dem Ordo Cisterciensis auch der Orden der Zisterzienser von der strengeren Observanz (Trappisten).

Geschichte des Zisterzienserordens

Bernhard von Clairvaux, Initiale aus dem 13. JahrhundertUrsprungskloster und Namensgeber der Zisterzienser ist das 1098 von Robert von Molesme und etwa zwanzig weiteren Mönchen der Abtei Molesme gegründete Kloster Cîteaux. Anliegen dieser Reformgruppe war es, sich wieder auf den strengen Kern des Mönchtums, das Schweigen und die Einsamkeit, und die Einhaltung der Benediktusregel zu besinnen. Ihren Lebensunterhalt wollten sie durch ihrer Hände Arbeit verdienen statt durch den Zehnten.

Die Mönche von Cîteaux wollten nichts anderes sein als Benediktiner, jedoch unterschied sich ihr Kloster deutlich von anderen Benediktinerabteien ihrer Zeit, sodass ein neuer Orden entstand, der der erste zentralisierte Orden des abendländischen christlichen Mönchtums war.

Auch äußerlich unterschieden sich die Zisterzienser von den Benediktinern. Die Ordenstracht der Zisterzienser wurde aus ungefärbter Schafswolle hergestellt, sodass ihr Gewand gräulich-braun war und vom Waschen immer weißer wurde. Diese Ordenstracht, die Einfachheit symbolisierte, stand im Gegensatz zur aufwändig schwarz gefärbten Ordenstracht der Benediktiner, besonders jener von Cluny, sodass fortan auch von »weißen Mönchen« und »schwarzen Mönchen« gesprochen wurde.

1099, schon nach einem Jahr, wurde Robert in seine Abtei Molesme zurückbeordert. Abt an seiner Stelle wurde Alberich, der dieses Amt zehn Jahre lang inne hatte. Dritter Abt von Cîteaux wurde 1109 Stephen Harding, der dem neu entstandenen Orden durch seine Charta caritatis eine Verfassung gab, die 1119 durch Papst Kalixt II. bestätigt wurde. Stephan Harding wurde damit zum eigentlichen Gründer des Ordens.

Jede Abtei des Ordens war selbständig, jedoch auf die einheitlichen Statuten des Zisterzienserordens verpflichtet. Regelmäßig visitiert wurden die Abteien vom Abt ihres Mutterklosters (Filiationsprinzip), wobei Cîteaux, die erste Abtei des Ordens, von den Äbten der ersten vier Gründungen von Cîteaux, der Primarabteien La Ferté, Pontigny, Clairvaux und Morimond, visitiert wurde. Jährlich fand in Cîteaux unter dem Vorsitz des Abtes von Cîteaux ein Generalkapitel statt, an dem alle Äbte des Ordens teilnahmen.

Für die eigentliche Verbreitung des Ordens sorgte Bernhard von Clairvaux, der 1113 in Cîteaux eintrat und von dort 1115 zur Gründung des Klosters Clairvaux ausgesandt wurde. Berhard förderte die Einfachheit in Lebensgewohnheiten der Mönche und Bauweise der Klöster. Durch ihn wurde der Zisterzienserorden aber auch in weltliche Aktivitäten einbezogen. Bernhard selbst war Berater von weltlichen und geistlichen Herrschern; im Auftrag Papst Eugen III. predigte der den Zweiten Kreuzzug.

Das erste Zisterzienserinnenkloster wurde 1120 mit der Abtei Tart gegründet.

Ab dem 13./14. Jahrhundert setzte ein Angleichung der Lebensart der Zisterzienser an die der Benediktiner ein.

Ordenstracht der Zisterzienser

Mitglieder beider Orden (Zisterzienser der gewöhnlichen und der strengeren Observanz) tragen als Ordenstracht eine weiße oder graue Tunika, ein schwarzes Skapulier und eine weiße Kukulle.

Heute

Heute gibt es weltweit rund 2300 Zisterzienserinnen und Zisterzienser – etwa 1400 Mönche und 900 Nonnen – in 159 Klöstern.

Die stärkste der 13 Kongregationen ist die vietnamesische Kongregation von der Hl. Familie mit rund 600 Mitgliedern.

Literatur

Geschichte des Zisterzienserordens

Immo Eberl: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens. Stuttgart: Thorbecke, 2002

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Leben in einem Zisterzienserkloster

Bernardin Schellenberger: Die Stille atmen: Mein Leben als Zisterzienser. Kreuz-Verlag 2005 (In diesem Buch beschreibt der Autor seine zehn Jahre im Trappistenkloster Mariawald, vom Tag seines Eintritts 1966 an. Wer den sprichwörtlichen Blick über Klostermauern gesucht hat, hier ist er. Ein sehr empfehlenswertes Buch. Auch wegen der Bilder.)
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Weblinks

Daniel Tibi, Gerd Gessinger

Letzte Änderung: 30. April 2012 

Kommentare

3 Kommentare zu “Zisterzienser”

  1. Dr. Hermann Josef Roth
    1. Januar 2011 08:49

    Der Beitrag sollte dem neuesten Stand des Wissenschaft angepasst werden. Nur z. B. bleiben Fragen offen wie: Was unterscheidet denn überhaupt OSB und OCist? Warum entstand ein eugener Orden? Reicht der Einfluss des hl. Bernhard, um die Expandion im MA. zu erklären? Wie sah es auch während der Reformation, im Barock und im 19. Jh.?
    Lit.-Hinweis nur auf Immo Eberl ist absolut unzulänglich. Warun werden die Zeitschriften beider Orden noicht genannt?

  2. P.Bernhard Müller
    30. Juni 2011 22:32

    Sehr geehrter Herr Dr. Roth, ich kann Ihnen nur beipflichten. So ist u.a. noch immer nicht die leidige Fremd – und Selbstbezeichnung der reformierten Zisterzienser als Trappistenorden aus der Welt, sie ist völlig unhistorisch. Es hat nie einen Trappistenorden gegeben! Zum Verhältnis OSB und O. Cist. ist zu sagen, hätte es damals schon die benediktinische Konföderation gegeben, wären die Zisterzienser eine der vielen Kongregationen ( die sind übrigens kirchenrechtlich jeweils ein Orden ), die heute diese Vereinigung bilden. Ja, warum treten die Zisterzienser dieser Konföderation nicht bei? Die Olivetaner haben das ja auch geschafft.

  3. 17. November 2012 17:23

    […] durch Bernhard von Clairvaux (1090-1153) eingeleitete intensive Klosterreform machte den Orden der Zisterzienser zu einer verändernden Triebkraft der mittelalterlichen Kirche im gesamten Europa. So verwundert es […]

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