Kleiner, Sighard


Sighard Kleiner OCist (* 7. Okt. 1904 Bregenz; † 5. Dez. 1995 ebd.), Zisterzienser der Abtei Wettingen-Mehrerau; Gründungsprior der Abtei Hauterive; 79. Generalabt des Zisterzienserordens.

LebenKarl Kleiner, ältestes von sechs Kindern, wurde nach zwei Jahren am Staatsgymnasium Schüler des Collegium Sancti Bernardi der Abtei Mehrerau. Dort maturierte er 1923 mit Auszeichnung, im dritten Jahrgang nach der Erhebung zum Vollgymnasium. Nach dem Studium der Theologie in Innsbruck und Issy-les-Moulineaux bei Paris empfing er am 16. September 1928 im Bregenzer Gallusstift die Priesterweihe und trat noch im selben Jahr in das Noviziat ein. 1931 am Angelicum in Rom summa cum laude zum Doktor der Theologie promoviert, wurde er nach seiner Rückkehr in die Mehrerau als Religionslehrer am Gymnasium eingesetzt und lehrte an der philosophisch-theologischen Hauslehranstalt Philosophie und Dogmatik. Daneben war er Novizenmeister, Präses der Marianischen Kongregation und zuletzt, seit 1934, Kantor.

Als infolge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich 1938 die Aufhebung des Klosters Mehrerau drohte, sandte Abt Kassian Haid Pater Sighard mit einer Gruppe von Mönchen in die Schweiz, um dort die 1848 aufgelöste Abtei Hauterive im Kanton Fribourg wiederzubesiedeln und so eine Ausweichmöglichkeit für die Mehrerauer Mönche zu schaffen. Als Prior (1939–1950) gelang es Kleiner unter großen Anstrengungen, die Neugründung zu festigen und zu einem Zentrum der zisterziensischen Erneuerung zu machen.

Das erste Generalkapitel nach dem Zweiten Weltkrieg bestellte Kleiner im Herbst 1950 zum Generalprokurator des Ordens und am 5. November 1950 wurde er – seinem Wunsch entsprechend in Mehrerau – zum Titularabt von Morimond geweiht. Nach dem frühen Tod des Generalabtes Matthäus Quatember 1953 wurde Kleiner Generalabt und nahm in dieser Funktion als Konzilsvater am Zweiten Vatikanischen Konzil teil.

Nach seiner Resignation im August 1985 zog er sich in das Kloster Hauterive zurück. Er starb am 5. Dezember 1995 im Sanatorium Mehrerau in Bregenz und wurde in Hauterive beigesetzt.

Kleiner hatte seit 1939 die Liturgiekommission des Ordens geleitet und tat das auch als Generalabt bis 1955. Er veröffentlichte mehrere Bücher über die Spiritualität der Benediktinerregel.

Daten

Karl Anton Maria; * 7. Okt. 1904 (Bregenz); † 5. Dez. 1995 ebd.; V.: Viktor Kleiner, Landesarchivar; M.: Ida geb. Schwärzler; Vest.: 13. Nov. 1928; Prof.: 14. Nov. 1929, 16. Okt. 1932; Sac.: 16. Sep. 1928; Primiz: 30. Sep. 1928; Konventualprior von Hauterive 24. Dez. 1939; Generalprokurator 21. Sep. 1950; Abbas tit. (Morimond): nom. 10. Okt. 1950, ben. 5. Nov. 1950; Abbas gen.: 8. Mai 1953, res. 27. Aug. 1985; vom Hl. Stuhl angenommen 28. Aug. 1985.

Werke

  • Das Ideengut des heiligen Benedikt heute: ein religiöser und kulturgeschichtlicher Vergleich. (= Europäisch-benediktinische Besinnungen, Bd. 2) – Würzburg: Naumann, 1979
  • In der Einheit des Heiligen Geistes: geistliche Gespräche über die Regel des hl. Benedikt. – Beuron: Beuroner Kunstverlag, 1985
  • Zuerst Gott dienen: geistliche Gespräche über die Regel des hl. Benedikt. – Langwaden: Bernardus, 1990

Literatur

  • Schweizerische Kirchenzeitung 118 (1950) S. 586
  • Sinz, Paul: Generalabt Dr. theol. Sighard Kleiner. Pater totius Sacri Ordinis. In CistC 60 (1953) S. 130
  • Purtscher Martin: Veritatem facientes in caritate. In: CistC 103 (1996) Heft 1, S. 76–79
  • Hämmerle, Markus: Generalabt P. Sighard Kleiner. In: Den Weg heute gehen. 150 Jahre Zisterzienser in Mehrerau (= Mehrerauer Grüße NF 82) – Mehrerau 2004 S. 43ff.

Letzte Änderung: 9. Juli 2009 

Kommentare

Ein Kommentar zu “Kleiner, Sighard”

  1. kleiner herbert Identicon
    kleiner herbert
    20. Juni 2011 02:53

    Liebe Leute,
    als Verwandter von Sighard Kleiner muss ich sagen, dass mir das alles zu knapp daherkommt. Mein Vater und Sighard spielten zusammen im Sandkasten, weil deren Väter Brüder waren. Zwischen beiden bestand eine lebenslange Übereinstimmung, auch wenn sie sich selten sahen (z.B. bei Familientreffen).
    Das Problem war die Auseinanderentwicklung der Familien. Die beiden Brüder waren aus Eglofs/Ba.Wü. nach Bregenz ausgewandet, was wohl auch ein Ergebnis der Aufhebung der „Leibeigenschaft“ war. Ich bin der Ansicht, dass den Hintergründen der Entwicklung zuwenig nachgegangen wird, auch dem sozialen Hintergrund, und dem Wert der Erkenntnis und der komtemplativen Schau von Sighard zu wenig Beachtung geschenkt wird, d.h. hier müßte noch mehr aufgearbeitet werden.

    mfg
    Herbert Kleiner

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