Thouret, Jeanne Antide


Hl. Jeanne-Antide Thouret (* 27. Nov. 1765 Sancey-le-Long, Franche-Comté; † 24. Aug. 1826 Neapel), Gründerin der »Barmherzigen Schwestern unter dem Schutz des hl. Vinzenz von Paul« (Sœurs de la Charité sous la protection de St-Vincent de Paul [de Ste Jeanne-Antide Thouret]).

Leben
Jeanne Antide Thouret

Jeanne Antide Thouret

Joan Antide (frz.: Jeanne-Antide, dt.: Johanna-Antida) Thouret wurde 1765 in Sancey bei Besançon als fünftes der acht Kinder des Gerbers Jean-François Thouret (1731–1755) geboren. Ihre Mutter, die aus dem benachbarten Anteuil stammenden Jeanne Claude Labbé (1731–1781, starb früh und so musste Jeanne-Antide sechs Jahre lang für ihre Familie sorgen. Nach einer Zeit in einem Karmel erkannte sie, dass ihr ein aktiveres Leben mehr lag und wandte sich 1787 an das Hospital der Töchter der christlichen Liebe vom heiligen Vinzenz von Paul (Vinzentinerinnen) in Langres und trat 1788 in deren Seminar in Paris (Rue du Bac) ein. 1793 wurden die religiösen Gemeinschaften durch die Französische Revolution aufgelöst und Jeanne-Antide musste, wie alle anderen Schwestern auch, das Mutterhaus verlassen. Sie schlug sich nach Hause durch und arbeitete dort im Untergrund weiter, indem sie sich um die Armen kümmerte, Religionsunterricht gab und untergetauchten Priestern half. 1795 musste sie vor dem Terreur in die Schweiz fliehen, wo sie 1797 Leiterin einer Gemeinschaft in Landeron am Bieler See wurde. Der Versuch einer Klostergründung in Deutschland misslang.

1799 konnte sie nach Besançon zurückkehren, ein Ruf, dem sie nur sehr zögerlich folgte. Dort eröffnete sie am 11. April 1799 eine öffentliche Schule für Mädchen und im Oktober gemeinsam mit vier weiteren Schwestern eine Suppenküche. Im nächsten Jahr, 1800, gründete Jeanne-Antide ein Haus (Nr. 13, Rue des Martelots) der »Barmherzigen Schwestern« (frz. Soeurs de la Charité, auch: Graue Nonnen), die sich im vinzentinischen Geist vor allem sozial-karitativen Werken, wie der Armenpflege, und der Erziehung junger Mädchen widmeten. Die Gemeinschaft erblühte unter dem Schutz der Mutter Napoleons, Letizia Ramolino, und ihres Halbbruders, Kardinal Joseph Fesch, Erzbischof von Lyon, schnell. Schon 1801 konnte ein zweites Haus in der Rue Battant 37 eröffnet werden und im folgenden Jahr übernahmen die Schwestern die Fürsorge für die Insassen der berüchtigten »Kloake von Bellevaux«, einem Gefängnis von sehr üblem Ruf. 1812 wurde das Mutterhaus in die Grand-Rue 131 verlegt und 1819 wurde die Gemeinschaft päpstlich bestätigt.

Mutter Jeanne-Antide wurde 1810 von Joachim Murat ins Königreich Neapel gerufen und arbeitete seitdem vor allem in Italien, zumal die Häuser in Besançon 1821 durch den dortigen Bischof zu einer eigenen Kongregation unter seiner Aufsicht zusammengefasst wurden und ihr der Zutritt zum Mutterhaus verweigert worden war.

Aus ihrer eigenen Gemeinschaft ausgeschlossen starb Jeanne-Antide Thouret am 24. August 1826 in Neapel. Sie wurde am 23. Mai 1926 durch Pius XI selig- und am 14. Januar 1934 heiliggesprochen. Ihr Festtag ist der 24. August, in der Schweiz, wo sie besonders in Freiburg im Üechtland verehrt wird, auch der 4. September. Sie wird dargestellt als Barmherzige Schwester in Ordenstracht.

Weblink: www.suoredellacarita.org

Literatur

  • Lucien Poux: Vie populaire de la vénérable Jeanne-Antide Thouret, fondatrice de sœurs de la charité. – Jacquin, 1905
  • Francis Trochu: Sainte Jeanne-Antide Thouret, fondatrice des sœurs de la charité. 1765–1826. – Lyon: Editions Emmanuel Vitte, 1930
  • Hermann Blüml: Johanna Antida Thouret: Ein Leben voller Abenteuer. – Leutesdorf: Johannes-Verlag, 1995
  • Agnès Richomme: Sainte Jeanne Antide Thouret. – Fleurus, 1995
  • Gabriele Lautenschläger: Thouret, Johanna Antida. In: BBKL XI (1996) 1493–1494
  • Luigi Mezzadri: Giovanna Antida Thouret: Il coraggio della carità. – San Paolo Edizioni, 1998
  • Théodule Rey-Mermet: Nous Avons Entendu La Voix Des Pauvres: Sainte Jeanne-Antide Thouret, 1765–1826. – Nouvelle Cité, 1998
  • Marie-Anne Heimo: Sœurs de la Charité sous la protection de St-Vincent de Paul (Ste-Jeanne-Antide Thouret). In: »Helvetia Sacra« VIII/2 (1998) 453–469
  • Karl Suso Frank OFM: Thouret, Jeanne-Antide. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Aufl. Bd. 9, Freiburg 2000
  • Roberto Sani, Paola Arosio: Sulle orme di Vincenzo de‘ Paoli. Jeanne-Antide Thouret e le Suore della Carità dalla Francia rivoluzionaria alla Napoli della Restaurazione. – Mailand: Vita e Pensiero, 2001
  • Benard Forthomme, Jad Hatem: Hospitalité et signification: Jeanne Antide Thouret et Edith Stein. – Cariscript, 2005

Letzte Änderung: 25. Februar 2009 

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