Pammer, Bruno


Bruno Pammer OCist, Taufname Joseph, (1866–1924), Zisterzienser und 42. Abt der Zisterzienserabtei Hohenfurth/Vyšší Brod.

Leben

Bruno Pammer OCist

Bruno Pammer OCist

Bruno Pammer wurde 30. Januar 1866 in Rosenberg/Rožmberk a.d. Moldau, einer kleinen Stadt bei Hohenfurth, Böhmen, als jüngstes Kind von neun Geschwistern des Leinwebers Joseph Pammer und seiner Frau Anna, geborene Burok, geboren. Nach dem Abschluss der Volksschule in Rosenberg besuchte er bis zur Matura am 29. Juni 1884 das Staatsgymnasium in Linz und trat am 2. August 1884 in das Noviziat des Stiftes Hohenfurt ein.

Nach dem Noviziat studierte er vier Jahre Theologie im bischöflichen Klerikerseminar in Budweis/České Budějovice, legte am 27. Mai 1888 die Profess in die Hände des Abtes Leopold Wackarž ab und wurde am 22. Juli 1888 vom Budweiser Bischof Dr. Martin Říha (1839–1907) zum Priester geweiht. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums war er Kaplan in der Stiftspfarre Rosenberg, Novizenmeister und Sakristan im Kloster, dann Pfarrer in Kappeln und Cellerar. Seit 1900, erst 34jährig, Prior leitete er de facto die Abtei, da Abt Leopold wegen seines hohen Alters dazu kaum noch in der Lage war. Nach Wackarž‘ Tod 1901 wurde Pammer zu seinem Nachfolger als Abt gewählt (14. Mai 1902).

Als Abt ließ Pammer die Stiftskirche und den Kreuzgang renovieren und an Stelle des alten Konversen-Traktes eine Beicht- und Grabkapelle im Stil der Wiener Sezession erbauen.

Neben seinen Aufgaben als Abt war Pammer auch für den Zisterzienserorden tätig, zuerst als Assistent der österreichischen Ordensprovinz, zu der seine Abtei gehörte, und später als Generalvikar und Visitator der am 27. Januar 1923 neugegründeten böhmischen Ordensprovinz.

1905 gab er editierte er im Auftrag des Generalkapitels der Zisterzienser in Stams, Tirol, das Caeremoniale Cisterciense.

1908 wurde er böhmischer Landtagsabgeordneter und 1909 Mitglied des Herrenhauses.

Abt Pammer starb plötzlich am 22. November 1924 in Kolin/Kolín, Böhmen, während einer Zugfahrt zur Beisetzung der Äbtissin M. Laurentia Anna Richter von Porta Coeli an Herzversagen.

BedeutungAbt Bruno war der vorletzte Abt vor der (zweiten) Aufhebung des Stiftes Hohenfurth 1950. Unter seiner Leitung wurden im Kloster umfangreiche Renovierungen durchgeführt und 1904 das erste elektrische Licht verlegt. Das Kraftwerk wurde auf Klosterbesitz, in Horní Mlýn bei Herbertov, errichtet. Es lieferte auch den Strom für die ebenfalls vom Kloster mitbetriebene und mitfinanzierte elektrische Kleineisenbahn, die die Gegend an das Eisenbahnnetz anschloss (»Elektrische Lokalbahn von Vyšší Brod«, Inbetriebnahme am 17. Dezember 1911).

In Pammers Regierungszeit fiel auch der 1. Weltkrieg, der daraus folgende Zerfall der Habsburgermonarchie und die Gründung der ersten tschechoslowakischen Republik, auf deren Staatsgebiet die Abtei dann lag. Der im Rahmen der deutschen christlich-sozialen Bewegung politisch tätige Pammer stand im Gegensatz zu seinen Mönchen der neuen Regierung in Prag ablehnend gegenüber. 1918 organisierte er eine Widerstandsbewegung gegen die tschechoslowakische Regierung, wodurch er das Stift 1919 und 1922 in die Gefahr der Aufhebung brachte. Ihm selbst drohte mehrmals die Verhaftung unter dem Verdacht des Separatismus.

Die finanzielle Lage des Klosters war wegen der durch die Kriegsanleihen verursachten Schulden sehr angespannt. Auch die ungelösten Fragen der Bodenreform, die dem Kloster spürbare Verluste an Grundeigentum brachten, und die Nachwuchsprobleme (mehrere Mönche hatten die Abtei verlassen) belasteten Pammers Amtszeit. Zusätzlich hatte er – als Begleiter des Generalabtes Kassian Haid oder alleine – mehrere Visitationsreisen durchzuführen, die ihn auch außerhalb seiner eigenen Kongregation führten. Ein weiterer Aufgabenbereich fiel ihm durch seine Ernennung zum Generalvikar der am 27. Januar 1923 neugegründeten böhmischen Ordensprovinz zu.

Literatur
  • Thadäus Kohout: Die Lebensbeschreibung des letzen Abtes von Hohenfurth/Vyšši Brod: Tezelin Jaksch (1885–1954)
  • ÖBL 1815–1950, Bd. 7 (Lfg. 34), S. 308

Letzte Änderung: 4. August 2009 

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