Benediktiner


Die Benediktiner (lat. Ordo Sancti Benedicti, OSB) sind ein kontemplativer Mönchsorden, der auf Benedikt von Nursia zurückgeht.

Organisation

Der Benediktinerorden ist föderalistisch organisiert. Die einzelnen Klöster sind zu 21 selbständigen Kongregationen mit je einem eigenen Abtpräses bzw. Erzabt als oberstem Vorsteher zusammengefasst. Der Vorsteher der Benediktinischen Konföderation ist der Abtprimas. Dieses Amt wird zur Zeit von Notker Wolf OSB (* 1940) aus der Erzabtei St. Ottilien bekleidet.

Weltweit gibt es heute etwa 8.000 Benediktinermönche, die 341 selbständigen Mönchsklöstern angehören und etwa 16.000 Nonnen und Schwestern (→ Benediktinerinnen)aus 840 Klöstern.

In Deutschland gehören 34 Männer- und 27 Frauenklöster zum Benediktinerorden, in Österreich 15 Männer- und 4 Frauenklöster und in der Schweiz 9 Männer- und 12 Frauenklöster.

Weblinks

Geschichte

Um 529 schrieb Benedikt von Nursia eine Mönchsregel, die nach ihm benannte Regula Benedicti, für das von ihm gegründete Kloster Montecassino. Von Benedikt vorgesehen war eine Mönchsgemeinschaft, abgeschieden vom Treiben der Welt, die unter der geistlichen Leitung eines Abtes in klugem Gleichmaß von Gottesdienst, Lesung und körperlicher Arbeit leben sollte.

Aufstieg im Frankenreich

Als Montecassino 577 von den Langobarden zerstört wurde, flohen die Mönche nach Rom. Von dort aus verbreitete sich die Regel Benedikts in ganz Westeuropa. Einen Benediktinerorden gab es zu jener Zeit jedoch nicht. Üblicherweise befolgten die Klöster im Frühmittelalter sogenannte Mischregeln; ihre Consuetudines stellten die Klöster aus verschiedenen Regeln zusammen. Verbreitet waren im Frühmittelalter Mischregeln aus den Regeln Columbans und Benedikts.

Klöster entwickelten sich zu wichtigen Trägern von Bildung und Kultur, die Wissen der Antike über die Wirren der Völkerwanderungen und den kulturellen Niedergang hinaus tradierten und bewahrten.

Für das Frankenreich wurde auf dem Concilium Germanicum (743) die Regel Benedikts als für alle Klöster verbindlich festgelegt. Benedikt von Aniane passte die Regel Benedikts in seinem Capitulare monasticum an die Verhältnisse im Frankenreich an. Einen Benediktinerorden gab es aber nicht, da die einzelnen Klöster selbständig waren.

Unter den Karolingern wurden Abteien in die Reichsverwaltung integriert, da Mönche lesen und schreiben konnten, was zu jener Zeit aus Klerikern kaum jemand konnte. Es entstanden sogenannte Reichsabteien, deren Äbte eine ähnliche Position wie weltliche Fürsten einnahmen. Ihre Aufgaben als geistliche Leiter der Gemeinschaft kamen dabei oft zu kurz. Eingesetzt wurden die Äbte vom König oder einem anderen weltlichen Herrscher. Die Abteien entwickelten sich zu Großklöstern, die in das Feudalsystem eingebunden waren und von Abgaben lebte.

Licht der Welt: Cluny

Eingang zur Abtei ClunyAm 11. September 910 gründete Herzog Wilhelm III. von Aquitanien die Abtei Cluny, die zum Ausgangspunkt einer Klosterreform (cluniazensische Reform) wurde. Einerseits ist die Abteigründung eine klassische frühmittelalterliche Klosterstiftung, durch die sich ein Adeliger Gebetsbeistand für sich und seine Familie sichern wollte. Andererseits enthält die Gründungsurkunde auch etwas für die damalige Zeit völlig Neues: eine doppelte Exemption, die das Kloster dem Einfluss des Bischofs und der weltlichen Fürsten entzog und direkt dem Papst unterstellte. Der erste Abt, Berno von Baume, wurde von Herzog Wilhelm ernannt, alle weiteren Äbte wurden nicht von einem weltlichen Fürsten ernannt, sondern vom Konvent gewählt.

Berno leitete als er zum Abt von Cluny ernannt wurde bereits zwei Abteien und legte damit den Grundstein zum cluniazensischen Klosterverband, der sich über etwa zwei Jahrhunderte hinweg stetig ausbreitete und im Laufe der Zeit über tausend Klöster mit mehr als zwanzigtausend Mönchen umfasste.

Der cluniazensische Klosterverband war der erste Zusammenschluss von Klöstern zu einem Orden. Alle Klöster des Verbandes lebten nach der Benediktusregel und den Lebensgewohnheiten von Cluny. Jedoch kann auch zu dieser Zeit noch nicht von einem Benediktinerordern gesprochen werden, da es Klöster gab, die nach der Regel Benedikts lebten, aber nicht zum Verband von Cluny gehörten.

Die Beziehungen der Klöster im cluniazensische Klosterverband zum Mutterkloster Cluny lehnten sich an das Feudalsystem an. Schloss sich ein Kloster dem cluniazensische Verband an, war es dem Abt von Cluny unterstellt. Der Obere des Klosters leistete dem Abt von Cluny einen Treueeid. Ihre Profess legten alle Mönche des cluniazensische Klosterverbandes auf Cluny ab. Die Oberen der Cluny unterstellten Klöster wurden vom Abt von Cluny ernannt.

Cluny war ein Großkloster, das fest in das Feudalsystem eingebunden war. Die Mönche lebten von Abgaben, Messstipendien und Gebetsstiftungen. Das Stundengebet nahm einen Großteil der Tages in Anspruch und die körperliche Arbeit, die in der Regel Benedikts vorgesehen ist, kam zu kurz.

Reformen und Spaltung im Hochmittelalter

Im Hochmittelalter setzte ein Streben ein, die Regel Benedikts wieder authentischer zu leben, sich wieder auf den strengen Kern des Mönchtums, das Schweigen und die Einsamkeit zu besinnen. So gründete Robert von Molesme mit zwanzig Gleichgesinnten 1098 das Kloster Cîteaux. Schon nach einem Jahr wurde Robert in seine Abtei zurückgerufen und der Prior Alberich wurde an seiner Stelle zum Abt gewählt. Ihm folgte nach zehn Jahren Stephen Harding, der in der Charta caritatis die Lebensgewohnheiten des neuen Klosters niederschrieb. Die Mönche von Cîteaux wollten nichts anderes sein als Benediktiner, jedoch unterschied sich ihre Lebensweise von jender anderer Klöster. So entstand ein neuer Orden, der nach seinem Mutterkloster Cîteaux, lateinisch Cistercium, Zisterzienserorden genannt wurde. Das Benediktinertum wurde in zwei Observanzen geteilt.

Bis ins Hochmittelalter waren die Benediktiner der bedeutendste Orden. Diese Stellung verloren sie jedoch, einerseits an die Zisterzienser und andererseits an die im 13. Jahrhundert neu entstehenden Bettelorden. Die Benediktiner waren in das Feudalsystem integriert, auf Naturalienwirtschaft eingestellt und in ihrer Arbeit auf Landwirtschaft und ausgerichtet. Die neu aufkommenden Städte und die sich entwickelnde Geldwirtschaft konnten die Benediktiner nur langsam in ihre Lebensweise integrieren. Bildung genossen und vermittelten die Benediktiner in lokalen Klosterschulen. Die im 12. Jahrundert neu aufkommenden Universitäten, die ein nicht-sesshaftes Leben der Lehrenden und Studierenden implizierten, waren den Benediktinern fremd.

Auf dem IV. Laterankonzil (1215) wurde für die Benediktiner die Bildung von Provinzkapiteln vorgeschrieben. 1336 legte Papst Benedikt XII. in seiner Bulle Summa magistri 36 Provinzen fest. Der deutschsprachige Raum wurde in die vier Provinzen Bremen-Hamburg, Köln-Trier, Mainz-Bamberg und Salzburg und eingeteilt.

Reformation, Säkularisation und neue Blüte

Im 16./17. Jahrhundert entstand aus Reformen innerhalb des Zisterzienserordens der Orden der Trappisten, sodass es fortan einen weiteren Orden gab, der durch Reformen aus dem Benediktinertum hervorgegangen war.

Im Zuge der Reformation wurden viele Benediktinerabteien in protestantisch gewordenen Gebieten aufgelöst. Der Josephinismus führte in Österreich zur Aufhebung vieler Benediktinerklöster. Im Zuge der Säkularisation wurden in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts alle Benediktinerklöster aufgelöst. Im Zuge der nachfolgenden Restauration kam es aber wieder zu zahlreichen Neugründungen; die erste erfolgte bereits 1830 als König Ludwig I. von Bayern Benediktinerabtei St. Michael in Metten wiedererichtete.

1846 errichtete der Mettener Mönch Bonifaz Wimmer OSB das erste Benediktinerkloster in den USA (St. Vincent in Pennsylvania), dem bald weitere folgten: St. John’s in Minnesota (1856), Newark, New Jersey (1857), Atchison, Kansas (1857), Covington, Kentucky (1858), Texas (1859), Alabama (1875) und North Carolina (1876). Die Abtei St. Meinrad in Indiana wurde 1852 von der Schweizer Abtei Maria Einsiedeln aus gegründet.

1884 gründete P. Andreas Amrhein OSB (1844–1927) die Abtei St. Ottilien in Bayern mit dem Ziel der Mission. Diese Verbindung von kontemplativ ausgerichtetem Benediktinertum und Mission war in jener Zeit ein Novum.

1893 wurden die verschiedenen benediktinischen Kongregationen von Papst Leo XIII. zur Benediktinischen Konföderation (Confoederatio Benedictina) zusammengeschlossen. Im Grunde kann erst jetzt von einem Benediktinerorden gesprochen werden.

Daniel Tibi

Literatur

  • Christian Schütz, Philippa Rath (Hrsg.): Der Benediktinerorden: Gott suchen in Gebet und Arbeit. Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag, 3. Aufl. 2003
  • Die Benediktusregel (lat.-dt.), hrsg. im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz. Beuron: Beuroner Kunstverlag, 1992

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Letzte Änderung: 29. April 2012 

Kommentare

6 Kommentare zu “Benediktiner”

  1. p.t. Identicon
    p.t.
    17. Oktober 2008 10:20

    Ich würde gerne wissen, welches Mitspracherecht der Papst im Alltagsleben der Ordensmitglieder hat und was er alles bestimmt

  2. Vincent Moori Identicon
    Vincent Moori
    7. Mai 2011 16:59

    Meine Klasse hat ein Projekt und es lautet Mönche: Ich habe mit meiner Gruppe das Thema Mönchsorden und ich benötige ein schaubild oder pfeilbild von der Struktur der Benediktiner. Es wäre sehr nett, wenn sie mir helfen würden, weil wir das Projekt vor der ganzen Schule vortragen müssen.

    MFG

  3. Georg Wochnik Identicon
    Georg Wochnik
    9. April 2016 09:31

    Können Sie mir bitte sagen, ob es in Portugal heutzutage noch Klöster gibt?
    Wenn ich im Internet danach suche, dann finde ich nur aufgelöste Klöster.
    Ich bin wirklich erschüttert…….. aber vielleicht wissen Sie ja genauer informiert…….
    Herzlichen Dank,
    Georg Wochnik

  4. Br._Tuck Identicon
    Br._Tuck
    11. April 2016 20:42

    @Georg Wochnik: Meines Wissens gibt des dort zumindest noch die Regularkleriker vom hl. Kreuz, die in Coimbra beheimatet (bzw. zumindest dort entstanden) sind und Niederlassungen u. a in Brasilien und auch in Österreich haben.

  5. gge Identicon
    11. April 2016 20:58

    Wenn es um Benediktinerklöster geht: Die einzige mir bekannte Benediktinerabtei in Portugal ist São Bento de Singeverga in Roriz, Nordportugal. Sie gehört zur Kongregation von der Verkündigung.

  6. Georg Wochnik Identicon
    Georg Wochnik
    14. April 2016 09:26

    @gge:
    ich möchte mich herzlichst bedanken!
    demnächst werde dieses Kloster besuchen:
    http://www.mosteirodesingeverga.com/noticias/page20.php

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